Jeschurun
- Journal
- Jeschurun
- Volume
- 6 (1859-1860)
- Issue
- Heft 2 (November 1859)
- Article
- Die Würdigung der Ansprüche des neuen Materialismus
- Date
- 1859-11-01
- Page
- 105 (sequence 7)
- Language
- German
- Belongs to
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von vr. Josir» Sternschuß. 105 träge Körper sind, und die gesammte Erde hat doch eine doppelte Be» wegung, diese Bewegungen sind also nicht identisch mit den stosflichen Bestandthetlen der Erde. Eben so wenig ist die Cohäsion, die Expansion mit den Atomen der Materie identisch. Ist aber die Kraft einmal nicht mit der Materie identisch, so kann ihre Existenz unmöglich an die der Materie geknüpft sein; für uns — die wir nichts dem Wesen nach kennen — ist sie nur an die Materie gebunden wahrnehmbar, für sich muß die kräftigere Kraft unabhängig von der Materie, auf die sie einwirkt, existiren. Die wundervolle Krystallisationskraft, ist im ausgelösten Salze für uns nicht wahrnehmbar, verdunstet aber das lösende Medium, so entsteht unverzögert die dem Salze eigenthümliche Krystallisation. Die Krystallisation wird beim Auflösen zerstört, vernichtet, geht des» halb die Kraft zu Grunde um beim Verdunsten des lösenden Mittels wieder neu geboren zu werden? Selbst die gegenwärtigen Na» turmeister — so wollen sie genannt werden — wenn sie der Gewalt, die sie dem Gemüthe durch ihr steifes unbiegsames, dialektisches Wesen anthun, müde werden, oder der Macht der Wahrheit endlich nachgeben müssen — gestehen ein, wie selbst Herr Carl Vogt von der Bildung der Krystalle Seite 84 sich äußert: diese Anziehung ist an sich eine ״uns unerklärliche Erscheinung, wie alle Kraft- Äußerungen". Sind aber die Krastäußerungen uns schon unerklär-!ich, um wie viel mehr muß es die Kraft selbst sein? Schließt ihr bei den Mineralien von den Aeußerungen auf das Dasein der Kraft, erkennet ihr dem Pflanzenreiche einen Lebensprozes zu, und wollet ihr dann den Thieren die Lebenskraft, dem Menschen die Geisteskraft, ja alle Kraft absprechen und seine Existenz nur der Materie zuschreiben? Bei allem neueren so laut ausposaunten Fortschritte habt ihr nicht einmal eine gegründete Hoffnung, je das mindeste Geheimniß der Natur lüften zu können! Bei aller so hoch gerühmten Vollkommenheit der organischen Chemie ist noch die Bildung eines kleinen Blättchens nicht erklärt! Ich gebe euch Sauer- Wasser- und Kohlenstoff schaffet daraus ein Blatt. — Die Erfinder haben einen großen Werth so lange sie in den Grenzen der Brscheidenhett bleiben, so wie sie aber arrogant und pedantisch werden zeigen sie die krasseste Unwissenheit. —