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Jeschurun · 1859-11-01 · Heft 2 (November 1859) · p. 76

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Jeschurun
Volume
6 (1859-1860)
Issue
Heft 2 (November 1859)
Article
Marcheschwan
Date
1859-11-01
Page
76 (sequence 10)
Language
German
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76 MarHeschwa». teru" lehre» möchte, ist es ״das Gefühl der Abhängigkeit", das das erzeugt, was die Menschen Religion nennen. Das Abhängigkeitsgefühl, das Gefühl der eigenen Ohnmacht, der Hülfsbedürstigkeit und die Ahnung der Höheren oder des Hohem, von denen oder von dem wir abhängen, der Obmacht, die uns unsere Schwäche fühlen läßt, der reichen Allmacht, die uns alle Hülfe gewähren, die uns alle Wünsche erfüllen könnte, dieses Gefühl und diese Ahnung baut der Gottheit im Kreise der Menschen die Altäre und legt dem Wilden wie dem dem Weisen das Gebet in das Herz, die Bitte auf die Lippe: Segne! Nicht also der Jude! Nicht ״segne mich!" heißt das Wort, das ihn zu seinem Gotte führt; er weiß sich, er sieht sich ja gesegnet durch Alles, was in Natur und Geschichte an Kräften und Gaben, an Genüssen und Lebensmomenten ihm gewährt und versagt wird, mit Freud- und mit Leidvollem gesegnet. Nicht Segen zu empfangen, Segen zu spenden heißt der Hebel seiner Kraft, heißt die Sorge seines Strebens, die ihn weiter führen soll in jedem Moment seines sich fortspinnenden Lebens, nicht ברך, segne mich, sondern ,״ ,כרוך אוזרwerbe gesegnet" heißt das Wort der Weihe, das jeder Athcmzug des Juden seinem Gotte entgegen tragen soll. ״Werde gesegnet!" ״Dein Wille werde durch mich vollbracht!" ״Deine Wünsche werden durch mich erfüllt!" "Dein Reich werde durch mich gefördert!" ״Dein Werk werde durch mich verwirklicht!" Du hast die Vollbringung deines Willens, die Ersüllung deiner Wünsche, die Förderung deines Reiches, die Verwirklichung deines Werkes in den Schooß der freien Menschenthat gelegt.^Dazu bin ich da, dazu hast du mich Mensch und Jude werden lassen, hast mir als Mensch die Kraft zur freien That gegeben und als Jude deinen Willen und die Zwecke offenbart, die du erfüllt und gefördert wissen willst durch uns auf Erden. Gott, mein Gott! drrrch Alles, was du mich erleben und erfahren läßt in Natur und Geschichte, durch Alles, was du mir giebst und versagst durch Natnr und Geschichte, mahnst du an diese Aufgabe mich, gibst du mir immer neue Kraft und neue Anforderung, diese Aufgabe zu er- Men. Ich will die Ausgabe losen, mein Gott! Werde ge-

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