Jeschurun
- Journal
- Jeschurun
- Volume
- 6 (1859-1860)
- Issue
- Heft 1 (Oktober 1859)
- Article
- Zur jüdischen Schulfrage
- Date
- 1859-10-01
- Page
- 47 (sequence 10)
- Language
- German
- Belongs to
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II. Der Lehrplan. A. Deutsch. Klaffe lila. 47 ordneten Gedankengang schon von selbst mit sich bringenden Form jene Strenge weniger fühlbar zu machen, und andererseits Hinsichtlich des Inhalts durch die Wahl von Thematen, die eine lebendige Bethätignng der stets leichter zu weckenden Phantasie zu ihrer Lösung erfordern, das nöthige Selbstvertrauen zu erzeugen sein. Nirgends so häufig wie beim Aufsatz ist Mangel an Muth der Grund, weßhalb selbst sonst befähigte Kinder nur Kümmerliches leisten, man gebe ihnen Muth und plötzlich strömt Gedanke und Ausdruck hinzu und mit Leichtigkeit lösen sie Aufgaben, zu denen sie bisher trotz ״stundenlangen Nachdenkens" nicht ״den Anfang finden" konnten. Daher wird in dieser Klaffe die Form der Erzählung vorherrschen und auch da, wo es sich scheinbar um eine Bcgrtsfsentwicklung handelt, werden solche Begriffe genommen, die leicht eine Veranschaulichung an konkreten Beispielen gestatten, am besten moralische, die dann in Form einer Charakterschilderung ausgearbeitet werden, Uebcrall wird der Phantasie weiter Spielraum gelaffen, sei es in der Vereinzelung und im Ausmalen mehr episodenartig vvrkommender Situationen, sei es im Ersinnen ganzer Geschichten, zu denen die Aufgabe entweder den Helden oder die Moral angibt. Im ersteren Falle sind es Charakterschilderungen, im anderen gilt es in der Regel die Exemplificirung von Sprüch- Wörtern. Auch Gespräche, namentlich zwischen Thiercn und leblosen Dingen, werden mit Vorliebe von den Kindern und mit Nutzen für sie gearbeitet. Wir verkennen nicht das solchen Arbeiten häufig anhaftende Unnatürliche und Gezwungene, jedoch dienen sie nur als Uebung und als solche vortrefflich zur Belebung der Phantasie. Jedoch bildet diese Art von Aufsätzen ihrer Menge nach natürlich die Minderzahl. Das Hauptaugenmerk bei der Wahl der Themate ist stets, daß sie dem Gedanken nach nicht zu viel Schwierigkeit darbieten, dem Schüler demnach gestatten, seinen ganzen Eifer der Vereinzelung und der Auswahl des passendsten Ausdrucks für die, bei solcher Aufgabe, mit Leichtigkeit zufließenden Vorstellungen zuzuwenden. Um den oben bezeichneten beiden maßgebenden Gesichtspunkten zu genügen, kommt es darauf an, daß recht viel geschrieben werde. Nur so gewinnt der Schüler nach und nach einiges Selbstvertrauen und durch dieses dann auch die nothige Ruhe und Bei