Jeschurun
- Journal
- Jeschurun
- Volume
- 6 (1859-1860)
- Issue
- Heft 1 (Oktober 1859)
- Article
- Zur jüdischen Schulfrage
- Date
- 1859-10-01
- Page
- 45 (sequence 8)
- Language
- German
- Belongs to
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II. Der Lehrplan. A. Deutsch. Klasse lila. 45 rege gehaltene Streben, auch ״gute" d. i. gehaltreiche Sätze zu bilden, den Schüler zur steten Durchmusterung seines gesummten Gedanken- und Wtssensvorraths; neben und nach der Ausbeutung des geschichtlichen und naturwiffenschaftlichen Stoffes sucht er auch seine Privatlektürc zu verwerthen, die Gegenstände seiner nächsten Umgebung, die Vorfälle des gewöhnlichen Lebens werden Gegenstand einer aufmerksameren Beobachtung — kurz es gibt nicht leicht einen erfolgreicheren Feldzug gegen Gedanken- und ״Geist"- losigkeit, einen wirksameren Sporn zur Erweckung der geistigen Sclbstthätigkcit als diese besonnen und umsichtig geleitete und längere Zeit fortgesetzte Uebung. Haben wir eben die Mannigfaltigkeit des Inhalts besonders hervorgehoben, so sind die vielartigen Modifikationen, deren die Form dieser Uebungen fähig ist, nicht minder fruchtbar für die! Bildung des Styls. Wir führen beispielsweise nur eine Uebung an, die des Znsammenziehenö und Verkürzens von Sätzen, selbstverständlich nicht gegebener, * sondern die Aufgabe Sätze mit gemeinschaftlichen Satztheilen zu bilden. Die Sache ist nicht ganz so einfach wie sie scheint. Jeder Schulmann weiß was dazu gehört, Sätze zu erzielen wie z. B. ״Vom Bewußtsein seiner Verbrechen : niedergedrückt, Tod und Schande vor Augen, Trostlosigkeit im; Herzen trat der Gefangene mit unsicheren Schritten vor die Schran-; feit des Gerichts. — Der ungünstige Ausgang einer einzigen Schlacht vernichtete Alles was Napoleon mit dem Blute so vieler; Tausende, dem Ruin so vieler Staaten, dem Glück so vieler; Schlachten, dem Glanze so vieler Feldzüge für die Ewigkeit ge- : gründet, gebaut und vollendet zu haben glaubte. — Seine Gestalt j ist klein und unansehnlich, die Farbe seines Gesichts dunkel, das j Gewand gering und die Füße unbekleidet." — Es liegt auf der Hand, wieviel in dieser Richtung fortgesetzte! Uebungen zur Gewöhnung an concinue und präctse Schreibweise! beitragen, und zwar in einem Maße wie es bei dem deutschen; Aufsatze nicht wohl geschehen kann — denn jeder Satz ist ja hier; eine specielle Uebung ad hoc. Durch Vermehrung oder Vermin-! derung der Bedingungen lassen sich die Uebungen beliebig modisij ärcn. Ebenso wird ohne die geringste Vermehrung des Zeit- oder