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Jeschurun · 1859-10-01 · Heft 1 (Oktober 1859) · p. 9

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Jeschurun
Volume
6 (1859-1860)
Issue
Heft 1 (Oktober 1859)
Article
Tischri
Date
1859-10-01
Page
9 (sequence 9)
Language
German
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IRI
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10 Tischrt. dringt in dich und macht zn Schanden die ganze Lebensrechnung des Wahns und der Leben mordenden Moderweisheit, und zeigt dir eben in deinem Geiste, deinem Willen, deiner Kraft, deiner Freiheit, deinem Leben, deinem Gewissen, deinem Pflichtgefühle, deinem Rechtssinn, deinem Liebesstreben, deiner Selbstbeherrschungs-und Aufopferungsfähigkeit die unzerreißbaren Bande deiner Verwandtschaft mit diesem Einen, in ihm erst die Gewähr deiner selbst und der Welt mit all ihrem Herrlichen und Großen, und es reißt dich der Schofar zu seinen Füßen mit der Huldigung: ״Dein, o Gott, ״ist die Große und die Macht und die Herrlichkeit und die Ewigkeit ״und der Glanz, denn dein ist Alles im Himmel und auf Erden, dein ״o Gott, ist die Herrschaft und was sich nur irgendwo als Haupt ״erhebt —" Wiederum aber tönt der Schofar, und du vernimmst ihn als Th er nah — als schmetternden und erschütternden Ruf! Das fühlst du durch und durch: du kannst nicht Gott und dich zugleich auf den Thron der Selbstständigkeit setzen. Ist Gott, und tst's Gott, durch den Alles — und darum auch du — athmet und lebt, dem Alles — und darum auch du — zu gehorchen hat und zu dienen: dann bist es eben du nicht, in welchem dein Dasein und Leben, dein Glück deine Freude wurzeln, dann bist es eben du nicht, der über dein Thun und Lassen zu bestimmen habe, dann mußt du eben deine Selbstständigkeit brechen, auf daß seine Macht in dich einziehe, mußt von dem Traum deiner Selbstherrlichkeit lassen, auf daß seine Herrschaft in dir Raum gewinne. ״Brechend und schmetternd" wird dir sein Ruf - שברים תרועה — auf daß vor ihm weiche was du hast an Dünkel und Trotz, an Keckheit und Kühnheit, auf daß Raum in dir werde für den Thron seiner Herrlichkeit. Widerstand findend und Widerstand überwindend tönt der Theruah-Ton, und wenn du ihn vernimmst, so bist du es, in dem der Gottesruf Widerstand findet und in dem der Gottesruf alles Widerstehende überwindet. Im Anblick seiner Herrlichkeit und Größe, seiner Hoheit und Macht, seiner lichtigen Reinheit und Wahrheit schrumpft alle deine Größe und Macht, alle deine Hoheit und Herrlichkeit, alle deine Tugend und Beständigkeit, all dein Geist und deine Klugheit zum Nichts zusammen und du fühlst es: du mußt fein werden, wenn du dein sein willst, du mußt

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