Jeschurun
- Journal
- Jeschurun
- Volume
- 5 (1858-1859)
- Issue
- Heft 10 (Juli 1859)
- Article
- Jüdische Belletristik
- Date
- 1859-07-01
- Page
- 544 (sequence 2)
- Language
- German
- Belongs to
- article
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- IRI
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544 Jüdische Belletrist». denzschriften, mögen sie gehen unter welchem Namen sie wollen. — Anstatt aller weitern Auseinandersetzungen möge mir der Leser von Zeit zu Zeit aus das Gebiet der Novellistik folgen; ist der Gang auch nicht erfreulich, so ist er doch sehr lehrreich und er wird «ns manchen Einblick in die Zeit und ihre Bestrebungen gewähren. Wir beginnen mit einer vor Kurzem erschienenen Novelle: ״der unbekannte Rabbi" von Dr. Phoebus Philipps»«. ״ES war am Tage der Trauer über daS zerstörte Jerusalem, (wird uns Seite 3 erzählt) als ich nach des Tages Last und Hitze von einer Reise zurückgekehrt vor meinem Hause auf und abging, mich des stillen warmen Abends, der heimkehrenden Schnitter mit den beladenen Kornwagen, die von den Nachbarn eingefahren wurden, des fröhlichen Gewühls auf der Straße freuend. AuS dem kleinen Bettempel (wozu Bettempel, gibt es noch einen andern Tempel?) kamen die wenigen Glaubensgenossen, die ich freundlich begrüßte, unter diesen mein alter Freund und Liebling, der greise K. Nun, redete ich ihn an, Gevatter K. wie ist daS Fasten abgelaufen? ״Sehr gut, mein lieber Herr, je alter man wird, desto leichter trägt man Entbehrungen dieser Art, obwohl der Tag sehr lang und heiß ist." Ja, erwiederte ich, das glaube ich, ich habe es auch gefühlt, obgleich ich am Fasten und Trauern keinen Theil genommen, und mich von der brennenden Sonne geplagt im offenen Wagen auf der Landstraße umhertreiben mußte. ״Ist ganz ebenso," meinte K., ״Ihr Beruf bringt ja auch öfteres Fasten und Kasteien und ist frei von allen Einschränkungen deS Gesetzesweil es die Noth so fordert. Sie hören wahrlich Echa's und Kinot genug im Jahre" ... . Somit wäre eine der traurigsten Erscheinungen der Gegenwart berührt und hätte mit dem geringsten Aufwand von Scharfsinn ihre gesetzliche Lösung gefunden. Der Arzt, der sich dem Judenthum, das nicht allein auf Glauben sich beschrankt, sondern vor Allem die That fordert, entzieht, ist vor Gott und Menschen gerechtfertigt. Und warum? Weil heute am Sabbath Lebensgefahr es vielleicht unumgänglich macht, ein Recept zu schreiben, darum gibt eS morgen kein Erlaubtes und Unerlaubtes »lehr, darum muß morgen das ganze Gebäude der religiösen Pflichten stürzen, darum bestehen für den Arzt keine Einschränkungen, müssen sie ״alle" fallen. Warum