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Jeschurun · 1859-07-01 · Heft 10 (Juli 1859) · p. 545

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Jeschurun
Volume
5 (1858-1859)
Issue
Heft 10 (Juli 1859)
Article
Jüdische Belletristik
Date
1859-07-01
Page
545 (sequence 3)
Language
German
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Jüdisch« Belletristik. 545 1 entweihst du heute den Sabbath? Warum vergnügst du dich am unjüdischen Gelag? Warum läßt du eS dir am Trauertage wohl sein?" Weil die Noth es fordert, das ist der Freibrief! ״... Noch einmal kamen wir auf den Wstag Zurück En un-- seren Gesprächen und alö ich meinem K. begreiflich machen wollte, daß jener in unseren Tagen einen neuen Charakter gewinnen müßte da er sonst fast bedeutungslos wäre, als ich ihn fragte: ob er wohl seine Wcrkstätte verlassen und morgen in ein neu conftituirtes Audenreich ziehen würde, was daher die Trauer wohl noch für Bedeutung hätte, antwortete er mir sehr ruhig: /Mag alles sein, mein Lieber, ich gehe so wenig, wie Sie, aber sagte mein alter Lehrer, der Rabbi Salomon, aus ihm ruhe der Frieden, aber, sagte dieser, auch der Leiden seiner Jugend erinnert sich der Mensch und ihrer Freuden gedenkt er, obgleich keine Macht der Erde die Jugend zurückführen kann nnd obgleich wir sie auch oft nicht wieder haben wollten, wenn sie unS Gott anbieicn würde; viele Güter betrauern wir, die unwiederbringlich verloren sind, wenn sie auch jetzt keinen Werth mehr für uns hätten." Wie fein airsgesponnen! Ein gewandter, beredter Arzt, den der Wein und vielleicht auch der Toast auf das ״neue Zion und Jeruschalajim in uns" begeistert und ein ärmer Handwerker, der in die Enge getrieben durch die 'bedeutungsvolle Frage, ob er heute seine Werkstatt verlassen und in ein neues Jn'denreich ziehen würde, sich für gefangen erklärt. Aber nein! Welches Gewicht hätten diese Worte im Munde eines Handwerkers, — ein Rabbi Salomon muß sie aussprechen, um ihnen größeren Werth zu geben. Die Trauer und der Fastag haben für ihn fast keine Bedeutung mehr, sie müssen einen neuen Charakter gewinnen und welchen? Hier werden wir im Dunkel gelassen; es ist genug den Leser auf diesen glücklichen Gedanken, der Neugestaltung der Trauertage geleitet zu haben! Wir wollen und brauche» kein Wort dieser Ansicht entgegenstellcn, sie findet schon längst ihre Widerlegung in. diesen Blättern ausgesprechen, und entlassen für heute unseren Arzt und seinen Hand» werker, ״auf den man ängstlich zu Hause wartet."

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