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Jeschurun · 1859-07-01 · Heft 10 (Juli 1859) · p. 540

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Jeschurun
Volume
5 (1858-1859)
Issue
Heft 10 (Juli 1859)
Article
Zur Würdigung der Ansprüche des neuen Materialismus
Date
1859-07-01
Page
540 (sequence 4)
Language
German
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540 Zur Würdigung der Ansprüche des neuen Materialismus nehmungen kommt, als eine thatsächlich wirkliche wundervolle Erscheinung, ohne weiteres angenommen. Die Halbgelehrten aber machen daraus ein Hervorheben ohne Grenzen, schreien es unaufhörlich aus als einen Beweis des schrankenlosen Verstandes ihres Zeitalters, in welcheA schon die Kinder weit vernünftiger geboren würden als alle Weifen aller vergangenen Zeiten. Und doch sind sie es, die am wenigsten die Erfindungen ihrer Zeit begreifen, die am wenigsten wissen wie viel man des Verstandes, des ausgezeichneten Verstandes, yöthig hatte um diese Entdeckungen zu machen, und die den geringsten Anthetl haben an dem Verstände ihrer Zeit. 3. Ist aber das Verstandesprodukt etwas, was den sinnlichen Wahrnehmungen zu widersprechen scheint — wie das Sonnensystem des Kopernikus — so wird es kaum - von den Männern vom Fache vollkommen, von den übrigen Gelehrten nur dunkel begriffen, von den Halbgelehrtcn als etwas von ihnen vollkommen Begriffenes und als Beweis ihres scharfsinnigen Verstandes und der gänzlichen Berstandlosigkeit aller Alten ausgeschrieen, dagegen der schlichte Mann es geraden Weges leugnet. — Es gibt wohl kaum etwas Amüsanteres als einem, Dispute dieser Art zuzuhören, wenn nämlich ein Halbgelehrter einem schlichten verständigen Manne zu beweisen sucht> daß die Erde sich um die Sonne drehe, die Sonne aber unbewegt stehe. Nun siehet ein jeder ohne Sinnentäuschung, daß die Geistesfähigketten mit der Ausbildung des Körpers sich ausbilden, mit seiner Abnahme abnehmen, durch Gifte oder selbstständige Störungen des Körpers gestört und wieder durch ähnliche Mittel ober anbete zufällige Einwirkung normal werden, daß mit dem Tode alle Kraftäußerung des Geistes ganz aufhört, daß also der Körper den winzigen Stoff für die geistige Kraft ausmacht. Und solchen sinnlichen, handgreiflichen Wahrnehmungen zuwider sollte der Verstand die Initiative zu ergreifen, und die Unsterblichkeit der Seele zu behäupten sich erdreistet haben? — Wir sind absolut überzeugt» daß kein einziger Mensch je hinnieden ganz glücklich gewesen ist. Dem Tugendhaftes stehen weniger Mittel zu Gebote sein kümmerliches Leben zu fristen als dem Lasterhaften: und von diesen sinnlichen Wahrnehmungen soll der Verstand auf einen allgcrechten, allgüttgen Weltregierer schließen?

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