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Jeschurun · 1859-07-01 · Heft 10 (Juli 1859) · p. 541

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Jeschurun
Volume
5 (1858-1859)
Issue
Heft 10 (Juli 1859)
Article
Zur Würdigung der Ansprüche des neuen Materialismus
Date
1859-07-01
Page
541 (sequence 5)
Language
German
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von Dr. Zosus Sftrvschllß« 541 Wäre der Glaube an die Unsterblichkeit der Seele, an die Allgüte und Allgerechtigkeit des Schöpfers ein Produkt des Derstandes: müßte er nicht dann — wie wir oben gesehen — von den Verstandes - Menschen unbezwcifelt behauptet, von den zu ihnen sich Zählenden mit Prahlerei ausgetrommelt Werden; dagegen vom schlichten Manne, als etwas den Sinnen schnurwegs Entgegengesetztes — da noch dazu keiner vom Jenseits zurückgekehrt ist — hartnäckig geläugnet werden? Werfen wir aber einen sorschenden Blick auf die Menschheit, so sehen wir den schlichten rechtschaffencn Mann an dem Glauben festhalten, für ihn, ohne Zandern, sein Alles, ja sein Leben hingebcn, durch ihn, im Kreise seiner Familie, ein seliges Leben führen, die Sinnlichkeit thatsächlick und in der Wirklichkeit verabscheuen, und durch die auf ihn gestützte Moral und Tugend die wahre Ordnung und Harmonie in der sittlichen Welt Herstellen. Dagegen sehen wir die Vernunft- Menschen dem Glauben mit aller Mühe entgegenarbeiten, der Sinnlichkeit öffentlich huldigen und dadurch in der sittlichen Welt die größte Unordnung erzeugen und unterhalten. Wer aber kennt nicht das Großthun der Halbgelehrten daraus, daß sie nicht wie der ״dumme Pöbel" glauben? Man sage nicht, daß wir den schlichten Mann in den glänzendsten, den Verstandes-Menschen hingegen in den düstersten Farben geschildert haben, denn etwas anderes ist der Sünde unterliegen, etwas anderes sie aus Prinzip begehen. Die Wollust wird vom schlichten rechtschaffenen Manne in der That verabscheut, vom Verstandes-Menschen aber nur des Anstandes halber von ihr abgerathen. Dip Wollust, die Völlerei, ist dem Einen wirklich ein Gräuel, ist ihm in der That das Schimpflichste, was ist sie aber dem Andern? .. Die — aufrichtigen und konsequenten — Sophisten, zu den Zeiten des Sokrates, hatten die Befriedigung der — nie zu befriedigenden — Begierden als das Ziel der menschlichen Bestrebungen, als das einzige Moral-Prinzip, als die höchste Glückseligkeit aufgestellt. Den Epikuräer» — also dem Horaz, Juvenal, Lukrez, Helvetius, Voltaire, Hume — spricht Cicero*) alles Recht, über die Pflichten des Menschen zu dtsputireu, ab. Sextus Empirikus will nicht «s *) De ufüciis 1, 2.

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