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Jeschurun · 1859-07-01 · Heft 10 (Juli 1859) · p. 534

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Jeschurun
Volume
5 (1858-1859)
Issue
Heft 10 (Juli 1859)
Article
Jüdische Armuth und Wohltätigkeit in London
Date
1859-07-01
Page
534 (sequence 6)
Language
German
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534 Jüdische Armnth und Wohlthätigkeit in London. sprünglichen Bestimmung verwendet werden und entziehen sich somit fast ganz der projektirtcn Oberleitung durch die zu gründende Ceutral-Anstalt. Der größte Theil der disponiblen Gelder besteht nun zwar aus solchen eine exclusive Bestimmung tragenden SynagogenfvndS, es sind aber wie Jew. Cbr. weiter aus führt ״andere Fonds zur Disposition der Synagogen, die nicht solchen Spezialzwecken angehören, wie z. B. die für Unterstützung fremder Armen. Dir Verwaltung über diese Gelber sollten die Synagogen auf die neue Gesellschaft übertragen, indem sie dieselbe gleichsam zu ihrem Almosenier ernennen, so die Sekretäre von kiner ungeheuren Arbeit und Verantwortung befreien, die mit ihren andern Geschäften collidirt und für deren vollständige Genügeleistung sie weder Zeit noch die geeigneten Maßregeln zur Hand haben. Da die Synagogen Abgeordnete in das Comit6 nach Verhältniß der gewährten Gelder senden, so würden sie thatsächlich eine Controle und Uebrrwachung dieser Summen in großer Ausdehnung haben. Die Synagogalbehörden würden, außer daß ihnen alle die Arbeit und Mühe erspart bliebe, die ihnen die Vertheilung der Unterstütznngsgelder jetzt verursacht, auch in pekuniärer Beziehung nicht unbeträchtlich ge- Winnen, da so den Kniffen*) (tricks) profesionirter Bettler, die beider Mangelhaftigkeit der den Sekretären zur Disposition stehenden Auweisungen, wie wir Horen, nicht selten diese Beamten prellen, gesteuert würde. *) Referent kann cS nicht verschweigen wie schmerzlich!S ihn berührt, in die« sm sonst so trefflichen, in der edelsten Absicht geschriebenen Artikeln so oft auf die ״Un« Verschämtheit, Frechh it, die Kniffe, Betrügereien" 1c. armer Leute hingewtesen zu sehen, Ausdrücke wie trioks ok profossional beggßra, iinpoutera, sturdy braßen faced beggar» (freche unverschämte Bettler) re. zu finden. Daß eS ebenso wie unter de» Reichen auch unter den Armen schlechte Menschen giebt, ist Ref. weit entfernt in Abrede stellen zu wollen; er hegt jedoch die feste Ueberzeugung, daß der größte Theil unserer Almosen in Hände geräth, die deren in der That bedürf» tig find, ob der «tue etwas mehr der andere etwas weniger, auf «ine dem Gegenstände gebührende Abschätzung dürste wohl im konkreten Falle zu verzichten sein. Jedenfalls könnte nach seiner bescheidenen Ansicht die öffentliche Presse nicht vorsichtig genug im Adoptiren von Vorurtheilen und Ausdrücken sein, denen wir im gewöhnlichen Lebe» in Hinsicht drr Armuth und des Elends leider nur zu oft begegnen. Bettelbrod ist nun eben keine Ambrosia, selbst nicht für den verwöhntesten Magen eines profcssio« nirtcn Bettlers.

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