Jeschurun
- Journal
- Jeschurun
- Volume
- 5 (1858-1859)
- Issue
- Heft 9 (Juni 1859)
- Article
- Grundlinien der jüdischen Symbolik
- Date
- 1859-06-01
- Page
- 469 (sequence 14)
- Language
- German
- Belongs to
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V. Tefillin. 469 ken, wird nach keiner Seite hin sich selbst beschränken, und es wird begreiflicher Weise ihr Schaffen und Gestalten, wo nicht verschiedene Kräfte gegen einander wirken oder äußere Hindernisse entgegenstehen, eine Kreisform produciren. Unter den organischen schaffenden Kräften ist es nur die Kraft des freien denkenden Menscheu, die ihre Schöpfungen und Bauten nach dem Richtmaß der Linie und der Winkel ausführt. Und somit, glauben wir, wäre der Kreis das Charakterzeichen der Gestaltungen der unfreien organischen Kraft; Winkel und Quadrat aber das Zeichen des gedankenvoll frei gestaltenden und bauenden Menschen. Ist dies kein Traum, so begreifen wir, warum bet allen Bauten und Gebilden jüdischer Heiligthümer, die Kretsform ausgeschlossen war und Alles sich in dem Grundriß des Quadrats bewegte, begreifen auch, warum das gleiche Gesetz für die Gestalt der Tefillin maßgebend ist, die in verjüngtem Maßstabe die von uns dem göttlichen Gesetze auf Erden zu bereitende Stätte vergegenwärtigen. Es ist der Mensch in seiner göttlichen Freiheit, von dem dieser Bau erwartet wird, nicht das unfrei im Dienste der gebundenen und bindenden organischen Natur sich entwickelnde Menscheuwesen. Der Gebundenheit, der Unfreiheit, der טומאה gehört der Kreis. Das Quadrat ist das Merkzeichen der die stoffliche Welt beherrschenden Menschen-Freiheit, der .טהרה חפלין, so wie überhaupt alles מלאכת שמט, alles der Er- Hebung des Menschen zu Gott dienende Symbol, sind nur von zur Speise erlaubten Stoffen herzustellen, לא הוכשרו למלאכת שמית אלא עור בהמה טהורה בלבד, und knüpft die Ueberliefernng diesen allgemeinen Grundsatz für Tefillin noch an den Ausspruch: למען תהיה תורת ה' בפיך, Tefillin haben den Zweck, ״damit Gottes Lehre dir im Munde sei/' sie sollen daher מ; המותר בפיך, von deinem Munde erlaubten Stoffen sein. Eben damit scheint uns aber auch sofort die Bedeu-! tung dieser symbolischen Bestimmung ausgesprocher!. Die jüdische z Symbolik ist ängstlich besorgt, ihre Symbole könnten von uns als j ein äußeres Werk gefaßt werden, das seine Wirksamkeit bereits er-! füllt, so wir es nllr äußerlich dar- und hingestellt hätten. Es könnten uns selbst Tefillin zum Amnlet und Mesusah zum schützenden Zaubermittel hcrabfinken, wir könnten auch dem Gesetze bereits ein Genüge gethan zu haben vermeinen, so wir nur ctn schönes Seser Thorah hätten schreiben und ihm eine schöne Hülle und einen schv-