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Jeschurun · 1859-06-01 · Heft 9 (Juni 1859) · p. 450

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Jeschurun
Volume
5 (1858-1859)
Issue
Heft 9 (Juni 1859)
Article
Siwan
Date
1859-06-01
Page
450 (sequence 6)
Language
German
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450 Stwan. und ruhig, auf Alles gefaßt und für Alles im Voraus gerüstet, mit der Gotteslampe in Händen entschieden und fest zurückzulegen. Es war das Licht des Mannesalters unseres Volkes. Nachdem es die hellglühende Flamme der Begeisterung in der Brust der Gottesprophetcn und das stillere, läuternde und belebende Feuer auf dem häuslichen Heerde eines Volkslebens, das solche Propheten gebar, aber auch die Fackel der Zerstörung gewesen für Alles was um heidnischen Glimmer und Schimmer, um heidnische Sinnlichkeit und Lust sich, seinem Geiste und seinem Ernste und seiner Wahrheit und seiner Beseelung entgegen, auf seinem Boden heidnisch keck ausbauen wollte — ward es zum Lichte der ״Weisheit" in der Brust seines ernsten Kerns, den es sich gewonnen und der sich nun um so reicher und reiner entfalten konnte, je weniger staatsmächtige Schale diesen Kern umschloß, je weniger das Volksleben nach Außen Selbstständigkeit und Nationalglanz gewährte und je mehr es selbst, dieses göttliche Gesetz, trotz des wieder gestatteten hetmathlichen Bodens, fast das einzige war, in welchem die Manneskraft unseres Volkes ihre Arbeit und ihre Siege zu finden hatte. Und zu welch Hellem Strahle der ״Weisheit" ward sein Licht in der Männerbrust unseres Volkes! Ringsum fing Alles sich zu entwickeln, fing Alles an aus- und abzublühen, was die alte Welt an Größe und Glanz der Kultur und Macht zur ewigen Bewunderung der Nachwelt auf die Blätter der Geschichte sich Lorbeer windend verzeichnete; persische, griechische, römische Weltmonarchien feierten ihre Siege des Geistes und der Macht, eine Welt legte sich ihnen zu Füßen und sonnte sich mit neidischer, schmeichelnder Huldigung in dem Strahle ihres Glanzes und ihrer Bildung; in dem kleinen Judäa lebte ein Männerkern des Volkes sein eigenes Leben, flocht ganz andern Größen die Kränze seiner Huldigung, fand in dem Umkreis einer ganz andern Sonne die Bahnen seines Berufs und seines Strebens, und baute an einem ganz andern Bau welterobernder Zukunft. DaS Gesetz war ihre Größe, das Gesetz war ihre Sonne, das Gesetz, dem sie die Zukunft ihres Volkes und die noch spätere Zukunft der Menschheit erbauten. Vergebens entfaltete Persien den imponirenden Ernst seiner Pracht, vergebens Griechenland die Geist und Gemüth schmeichelnde Anmuth seiner Wissenschaft und Kunst, vergebens Rom das

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