Jeschurun
- Journal
- Jeschurun
- Volume
- 5 (1858-1859)
- Issue
- Heft 8 (Mai 1859)
- Article
- Jüdische Armuth und Wohltätigkeit in London
- Date
- 1859-05-01
- Page
- 422 (sequence 12)
- Language
- German
- Belongs to
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422 Jüdische Armuth und Wohlthäiigkeit in London. jedoch, es ist klar, der Geschäftsgang kann nicht gestört werden. Er würde nie mit seiner Arbeit fertig werden, wäre er auSgesetzt jeden Angenblick unterbrochen zu werden, und wenn er die gewöhnliche Wohlthätigkeitssumme verausgabt so hat er seine Pflicht vollkommen erfüllt. Es ist nicht seine Sache weiter hülfreiche Hand zu leisten noch besäße er, wäre es der Fall, die Berechtigung und Mittel über die festgesetzte Taxe hinauszugehcn. Die thatsächliche und wirkliche Hülfe ist dem Zufall und der Mildherzigkeit eines mitleidigen, wahrscheinlich jedoch eben so armen Nachbarn überlassen. Dieser muH dann Rath erthetlen, herumlaufen um die Mildthätigkeit eines Menschenfreundes anzurufen, herbeischaffen was menschliche Hülfe, wenn über- Haupt welche da ist, im vorliegenden Falle zu leisten vermag und sich in die nothwcndtgen Bedingungen fügen, unter denen unsere Unterstützung gewährt wird. So weisen die einzelnen Congregationcn ihre heiligen Pflichten von stch, und schieben sie auf Einzelne. Die Sache ist die. Unsere Gemeiudverwaltung wurde zu einer Zeit geschaffen, wo dieselbe noch klein war, wo die Mitglieder sich alle persönlich kannten, wo noch kein Zufluß von Außen stattfand und wo die Sekretäre. verhältnißmäßig wenig zu thun hatten. Wie so viele andere Einrichtungen jedoch ausreichend als sie zuerst in'S Leben gerufen, wurde sie nach und nach immer weniger genügend als neue Nothstände und Verhältnisse sich ciustelltcn, bis sie zuletzt durchaus nicht mehr dem früheren Zwecke entsprach. Dies sind Vorgänge die stch uns tagtäglich darbicten. Daher die Nothwendigkeit gelegentlicher Revision des Systems und Abänderung desselben den neuen Verhältnissen gemäß. Wir sind noch nicht fertig mit der Aufzählung der Uebelständc die ans unserer ungereimten, unpraktischen und unzulänglichen Art Wohlthätigkeit zu üben entspringen. Sie hat im letzten Grunde eine große Aehnlichkett mit unserm Alphabet. Dieses hat bekanntlich z» viele und zu wenig Buchstaben, indem es manchmal für einen und denselben Laut mehrere Buchstaben und hinwiederum manchmal nicht einen einzigen für einen oft gebrauchten hat und so das Lesen unnöthig complicirt und erschwert zum großen Amüsement und Confustou der Ausländer. Ebenso ist es mit unseren Veranstaltungen für Wohlthätigkeit. Wir haben bereits gezeigt, daß wir gelegentlich