Jeschurun
- Journal
- Jeschurun
- Volume
- 5 (1858-1859)
- Issue
- Heft 7 (April 1859)
- Article
- Ein offener Brief von einem Juden aus Syracuse an seine Brüder in Israel diesseits des Atlantic
- Date
- 1859-04-01
- Page
- 362 (sequence 4)
- Language
- German
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362 Eln offener Brief von einem Juden aus Syracusc stufenwetsen Fortentwickelung des Geistes wie die Sitten der verschiedenen Völker eine Veränderung erleiden und Reformen annehmen. Was aber vermag der Menschengeist an dem einigen unveränderlichen, geoffenbarten Worte Gottes? Vermag etwa der Mensch mit allen Fortschritten seines Geistes gegen das ewige Wort der Allmacht eine Reform in die Werkstätte der Natur etntreten zu lassen, und warum sollte er es in die Religion können, wenn wir diese ebenso als eine göttliche Offenbarung anerkennen? Und da nun das Judenthum seinen Bekennern als göttliche Offenbarung dasteht so gehet auch mit Bestimmtheit hervor, daß es für jede Reform unzugänzlich ist und solche nur als Gegensatz zu ihm angesehen werden müßte.' Nach dieser Auseinandersetzung dürfen wir ohne eine Berkennung befürchten zu müssen, einen prüfenden Blick richten aus das so schwer zu charakteristrende Gebühren so mancher eurer Lehrer und die Unhaltbarkett ihrer Lehren: Einer derselben veröffentlichte vor einigen Jahren zu seiner eigenen Schande ein Werk unter dem Titel: ״Die Geschichte der jüdischen Nation", in welchem er ganz unverhohlen sein religiöses Glaubensbekenntniß ablegt. Ich sage zu seiner Schande, nicht weil er in demselben den Glauben an die Offenbarung verwirft und von den in der Bibel erzählten Wundern nur diejenigen zuläßt, die er in's Natürliche herabzieht, und als natürliche Ereignisse erklärt; — fern von mir solche Unduldsamkeit, ich achte eine jede Ansicht, die aus ehrlichem Herzen kommt; — ich heiße auch nicht eine Schande, daß er es mit seinen Begriffen von Gewissenhaftigkeit vereinbar fand, nachdem er sich einmal offen in besagtem Werke als Nicht-Jude erklärt, dem Amte eines jüdischen Religivnslehrers noch weiter vorzustehey, denn auch das ist Sache der Ansicht und ein Jeder hat das Recht nach der setnigen zu handeln; untraitabler jedoch ist vielleicht folgende Thatsache: Noch hatte das in Rede stehende Werk die Presse nicht verlassen, als der Verfasser nach seiner gegenwärtigen Stelle als Prediger berufen wurde. Unglücklicherweise stand aber den meisten Mitgliedern dieser Gemeinde noch das Wort der Schrift als ein heiliges von Gott unmittelbar geoffenbartes da, so verlangte es denn freilich die Klugheit, ganz in dem Sinne der Gemeinde zu lehren (obgleich das Werk ganz andere Lehren enthält, so sind dies blos