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Jeschurun · 1859-04-01 · Heft 7 (April 1859) · p. 361

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Jeschurun
Volume
5 (1858-1859)
Issue
Heft 7 (April 1859)
Article
Ein offener Brief von einem Juden aus Syracuse an seine Brüder in Israel diesseits des Atlantic
Date
1859-04-01
Page
361 (sequence 3)
Language
German
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361 ij an seine Brüder in Israel diesseits des Atlantic. i; verkümmern lassen, bas Verlaufene nicht ausgesucht und meine Heerde y nicht geweidet." ‘i Mäßigt eure Entrüstung meine Brüder, daß ich so blasphemi- | rend von euren Heiligen rede. Ihr seid zu viel vom Geschäftsle- Z den in Anspruch genommen, um Wesen, Charakter und Versahy ren so Mancher, die sich als eure Lehrer zeigen, aus den verschiede- 1 nen Stadien ihres Entwickelungsganges gebührend zu würdigen. Es ist wohl wahr und gerecht, daß es keinem Menschen zu- I kommt, den Andern seiner lleberzeugung wegen zu richten, so falsch i und irrthümlich sie auch sein mag, so sie nur auf das sittliche Lej ben der Gesellschaft keinen nachtheiligen Etnstuß übt; wir können s ihn höchstens bedauern, daß sein Auge zu schwach ist in das Acht ך der Wahrheit zu schauen, während er, der seiner Ueberzeugung nach | der Wahrheit sehr nahe steht uns bedauern darf, daß wir, die ihn f bedauern, von derselben so weit entfernt stehen. Ganz anders aber j würde es sich mit denen verhalten, die entweder ganz ohne Ueber-; zeugung oder im offenen Widerspruche zu derselben handeln, die wie; ein redlicher Krämer Alles als ächt hingeben, was nur als ächt ans genommen und als ächt bezahlt wird, mit Krämergeist und Krämer- 1 sinn das Lehramt betreiben, mit der Wahrheit wie mit Kaufmanns- ■ 1 gut umgehend, — was nicht mehr in der Mode ist wird bei Seite gei legt, — die ihre Ansichten darum täglich wechseln weil sie ihre Grund-; sätze nur nach dem Geschmacke ihres Publikums fabriziren. Wohl; müssen wir auch zugeben, daß der unbefangene Denker nicht immer 3 bei einer Idee stehen bleibt; nicht selten finden wir Menschen die - erst in ihrem 71. Lebensjahre einen Grundsatz, den sie 70 Jahre h für eine unumstößliche Wahrheit gehalten, aufgeben und ihn mit « einem der Neuzeit vertauschen; denn der Menschengeist entwickelt sich j von Stufe zu Stufe, und eben darum müssen auch in der ״Religion", i sowie in Kunst und Wissenschaft, Reformen eintreten, denn sie sind y die natürlichen Folgen des Fortschrittes in der rastlosen Thättgkeit y der Fortentwickelung des menschlichen Geistes; jedoch wäre dies nur y dann anwendbar die in die ״mosaische Religion" eingeführten Rej! formen zu rechtfertigen, wenn wir Erstere bloß für ״mosaische Ref ligion", also für eine Form des geistigen Lebens des jüdischen Vol- | kes hielten, die erst durch die Entwickelung des geistigen Charakters E desselben gebildet wurde; in diesem Falle könnte sie wohl mit der E i

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