Jeschurun
- Journal
- Jeschurun
- Volume
- 5 (1858-1859)
- Issue
- Heft 7 (April 1859)
- Article
- Ein offener Brief von einem Juden aus Syracuse an seine Brüder in Israel diesseits des Atlantic
- Date
- 1859-04-01
- Page
- 360 (sequence 2)
- Language
- German
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360 »j, Kü> offener Brief von einem Juden aus Syracüfe der Unberufene darum zu tadeln, weil er sich mehr als der Bernsene von der unsichtbaren Hand der Wahrheit getrieben fühlt ihr das Wort zü sprechen? Wer will einem Leidenden es verargen, daß er seinen Schmerz durch eine laute Klage äußert, wxil andere, die denselben Schmerz etwas minder fühlen ihn entweddrFganz unterdrücken oder nur durch einen leichten Seufzer verratM? Nur all zu berechtigt ist der Schmerz, ist die Klage. Brüder! Israeliten! Was sollte unser Volk sein und was ist es? ׳ Und vor Allem was könnten wir hier im Lande der Freiheit, wo uns nicht wie den Brüdern im Osten Hand und Fuß gefesselt sind, was könnten wir hier sein und was sind wir? Ein Volk, das so viele Nationen im Strome der Zeiten zu seinen Füßen untergehen oder in die Massen der Mehrheit aufgehen sah und allein in seinem Glauben ergreiste, dieses Volk hat nun in seinen» Greisenalter Das von sich geworfen, was in dem großen Gedränge der Völker es vor dein Untergange schützte, es aufrecht erhielt und als kräftigen jugendlichen Greis den Nationen gegenüber htngestellt — heißt das nicht tief gesunken? Heißt es nicht tief gefunken, wenn leider so Viele in der Vergötterung des Geldes aus das Niveau so mancher nichtjüdischer Kreise gesunken sind und ihneu das Gute und Heilige nur dann noch heilig und gut erscheint, wenn es auch zugleich ״praktisch" ist? Müssen wir nicht tief gesunken sein, wenn wir annehmen können, daß von der großen Anzahl der jüdischen Jugend dieses Landes, noch der hundertste Theil das Judcnthum nicht weiter als dem Namen nach kennt? O Brüder bedenket, unsere Väter wurden verhöhnt, gedrückt, getrieben von Ort zu Ort, von Land zu Land, wurde»» ausgeraubt und ausgeplündert und gar oft wie Lämmer zur Schlachtbank geführt, widerstandlos, ließen sich schlachten und würgen, verspritzten ihr Herzensblut, gingen freudig dein schrecklichsten Martertode e;rtgegen, um nur ihrem Gotte und seinem heiligen Gesetze treu zu bleiben, — und diese selbige Thorah wird nun von ihren Nachkommen mit Füßen getreten. Beherziget dies meine Brüder und lasset euch nicht Langer irre leiten von falschen Lehrer», von treulosen Hirten, denen Gott zuruft: ״Mit der Wolle meiner Heerde kleidet ihr euch, mit ihrem Fette nähret ihr ench, das Gesunde habet ihr geschlachtet, das Kranke