Jeschurun
- Journal
- Jeschurun
- Volume
- 5 (1858-1859)
- Issue
- Heft 7 (April 1859)
- Article
- Wer ist intolerant?
- Date
- 1859-04-01
- Page
- 357 (sequence 3)
- Language
- German
- Belongs to
- article
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Wer ist intolerant? 357 | ein Jude gibt Gesellschaft; die Gaste erlauben sich über das j Judenthum in geringschätziger Weise Unterhattungen zu führen; 1 dieses Gesetz wird lächerlich, jenes absurd, dieser jüdische Gebrauch 1 i barbarisch, jene fromme Sitte unanständig gescholten; der Hausherr | erlaubt sich einige Bemerkungen dagegen und bittet endlich in seiner j Behausung dergleichen Aeußerungen zu unterlassen; v, der Ins toleranz! klagen die Gäste. s So könnten die Beispiele bis in's Unzählige vermehrt werden. 1 Täglich macht man solche Erfahrungen, hört täglich dieselbe An- ■i schuldtgung. Ist es denn intolerant, wenn ich mein gutes Recht unverküm-; wert erhalten wissen will; wenn ich nicht die Verpflichtung fühle; mich gefügig fremder Willkür Preis zu geben; wenn ich keine Nei- : gung habe, meine Ansichten und Grundsätze so ohne Weiteres aufzuopfern? Ist es intolerant, wenn die Rechte der Gemeinde, das; Ansehen des Vaters, die Achtung des Hauses nicht ohne Widerspruch! verkümmert werden sollen und die Gemeinde, der Vater, der Haus-! Herr sich weigern Beeinträchtigungen ihrer Rechte zu ertragen? Und; ist es nicht ein wohlbegründetes Recht, ein Recht, das heilig und; unantastbar ist, wenn eine jüdische Gemeinde nur Juden in ihre Genossenschaft aufzunehmen gewillt ist, wenn ein jüdischer Vater von seinen Kindern das jüdische Gesetz mindestens in seiner Gegenwart geachtet zu sehen wünscht, wenn ein jüdischer Hausherr nicht gesonnen ist über jüdische Sitten und Gebräuche in seinem Hause ungeziemende, wegwerfende Unterhaltungen zu hören? Das Recht der Gemeinde, des Vaters, des Hausherrn dürfte in diesen Fällen doch wohl klar sein. Aber nein ״Intoleranz" ist nun einmal bas Schlagwort wo irgend ein Recht gegen die sogenannte ״Reform" geltend gemacht werden soll!! Wenn aber hier ein Rabbiner die Synagoge schließen läßt, weil die jüdische gesinnte Gemeinde sich der Einführung von Neuerungen im Götteödienste wtdersetzt, wenn dort der Lehrer einen Schüler bestraft, weil dieser beim Thoraübersetzen das Haupt nicht unbedeckt lassen will, wenn hier ein frommer Verein zur Bestattung der Tobten aufgehoben wird, weil seine Mitglieder unberechtigten Anforderungen kein Gehör geben wollen, wenn dort rin jüdischer