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Jeschurun · 1859-04-01 · Heft 7 (April 1859) · p. 358

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Jeschurun
Volume
5 (1858-1859)
Issue
Heft 7 (April 1859)
Article
Wer ist intolerant?
Date
1859-04-01
Page
358 (sequence 4)
Language
German
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358 Wer ist intolerant? Vorstand das Talmudstndium untersagt und Talmudlehrer durch Polizeigewalt der Stadt verweisen läßt — dann sind alle diese keine Handlungen der Intoleranz, dann sind es Werke der Humanität, die in majorem dei gloriam vollbracht worden!! Während die größte Rücksichtslosigkeit, die schreiendste Unduldsamkett gegen Juden und Judenthum geübt wird, heißt es intolerant, wenn der gefetzestreue Jude auch nur den letsesterl Widerspruch gegen diese Werke der Intoleranz wagt. Es ist keine kühne Behauptung, daß von Seiten der sich ״aufgeklärt" Nennenden fortwährend im öffentlichen und Privatverkehre mit der größten Intoleranz gegen die Juden und das jüdische Gesetz verfahren wird. Wenn dereinst es an der Zeit ist die Geschichte der Reformbestrebungen zu schreiben, so wird diele Thatsache auf jeder Seite verzeichnet werden müssen^ und? dennoch ist es gerade diese Richtung, die der gegenüberstehenden mit der verwegendsten Stirn fortwährend Intoleranz vorwirst. Man könnte wahrlich an dem gesunden Verstand des Menschen verzweifeln, wenn man all die kleinen und großen Fälle tn's Auge faßt, in welchen von jener Sette Intoleranz geübt und diese, die leidende, der Unduldsamkeit beschuldigt wird. Greifen wir ein Beispiel ans dem Leben. . Wer wüßte nicht, wie hoch und heilig dem Juden der Sabbath ist, wie gewissenhaft und genau er aus jede Handlung am Sabbath achtet, daß sie zu keiner Uebertretung führe und wie schmerzlich er sich berührt fühlen muß, wenn er in seiner Gegenwart den Sabbath entheiligt sieht. — Nun tritt zu einem Juden, der so denkt und fühlt, am Sabbath ein anderer, die brennende Cigarre im Munde, ins Zimmer. — Ist es nicht zum Mindesten die größte nur denkbare Rücksichtslosigkeit Jemanden in dessen eignem Hause zu verhetzen? — Der Hausherr nun erlaubt sich nicht ein Mal einen Vorwurf, ja nicht einmal die bescheidene Bitte, die Cigarre fortznlegen; er kommt dem Eintretenden nur nicht mit der zuvorkommenbesten Aufmerksamkeit entgegen, ja vielleicht verräth nur eine Miene daß der Anblick der brennenden Cigarre ihm nicht angenehm ist; — der Rauchende beklagt sich über Intoleranz und die ganze Stadt spricht über die Unhöfltchkeit und Unduldsamkeit der ״frommen" Juden!! י Mit der minutiösesten Genauigkeit achtet man auf die unbe-

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