Jeschurun
- Journal
- Jeschurun
- Volume
- 5 (1858-1859)
- Issue
- Heft 7 (April 1859)
- Article
- Wer ist intolerant?
- Date
- 1859-04-01
- Page
- 356 (sequence 2)
- Language
- German
- Belongs to
- article
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- IRI
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356 Wer ist intolerant? zu bohren vermeinte, gehört auch das Wort ״Intoleranz", welches wir hier zum Gegenstände unserer kurzen Betrachtung wählen. Was ist Intoleranz? Intoleranz ist das unbefugte störende Eingreifen in fremde Angelegenheiten lediglich ans dem Grunde, weil diese Angelegenheiten nach anderen als den eigenen Grundsätzen eingerichtet sind. Im gertngereri Grade äußert sie sich in feindlichen oder gehässigen Aeußerungen über fremde sich ganz im eigenen Kreise bewegende und äußernde Personen und Idem. Intolerant ist also derjenige, der sich zu feindseligen Thaten oder Aeußerungen gegen Sachen, Personen oder Ansichten Hinreißen läßt, die ihn gar nicht kümmern, oder die doch ihn in seinen eigenen Meinungen und Handlungen völlig ungestört lassen. So war es zuM Beispiel eine Intoleranz, als Philipp der Zweite seine Unterthanen, die in ihren Häusern oder Betlokalen ein evangelisches Lied sangen, zum Scheiterhaufen führen ließ und Elisabcth von England war intolerant, als sie das Verbot erließ Waid zu Pflanzen, weil der Geruch dieser nützlichen Pflanze ihren königlichcn Geruchsnerven zuwider war. Würde aber Philipp nur diejenigen bestraft haben, die in einer katholischen Kirche eine katholische Gemeinde durch den Gesang eines evangelischen Liedes gestört hätten, oder hätte Elisabeth verboten in ihrem eigenen Garten Waid zu pflanzen, so würde das keineswegs;!.tolerant zu nennen sein, da dann nur einer unberechtigten Handlung entgegen zu treten wäre. Mit dem Stigma ״Intoleranz" hat mau aber in bemerkens- Äerther Weise beinahe alles das bezeichnet, was von den gesetzestreuen Juden zur Abw ehr, zur Erhaltung des väterlichen Heiligthuuis oder zur Vertheidigüng ihrer Ansichten geschehen ist. ,Eine jüdische Gemeinde weigert sich ein unbeschnittenes Kind in ihre Genossenschaft aufzunehmen; — sie versagt ihre Anerkennung einer gesetzwidrigen Ehe; — sie will den Gottesdienst nicht durch unjüdische Aendernngen verunglimpfen lassen — es ist Intoleranz, heißt es; ein jüdischer Vater verbietet seinen Söhnen in seiner Gegenwart den Sabbath zu entweihen; — er verweigert seine Zustimmung zur Hausesgründung seines Kindes in unjüdischer Weise — welche Intoleranz! hört man;