Jeschurun
- Journal
- Jeschurun
- Volume
- 5 (1858-1859)
- Issue
- Heft 6 (März 1859)
- Article
- Culturhistorische Skizzen aus Ungarn
- Date
- 1859-03-01
- Page
- 321 (sequence 7)
- Language
- German
- Belongs to
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Von Ignaz Goldstein. 32t ן v| , ä Lebens gewährt, die Sprache unserer Propheten, in der sie uns die I Geschehnisse kommender Tage weissagten, die Sprache endlich, in sj der wir unsere täglichen Gebete zum Allmächtigen richten und unsere Ge- , I fühle und Wünsche äußern, daß diese Sprache in unfern Schulen zu wenig Z gelehrt und viel zu schwach behandelt wird. Nur liegt nicht die Schuld ' s an den Lehrern, denen man sie so gerne aufbürdete, sondern viel- ’ s mehr an den Lettern der Schule. Bei dem Klassensysteme, das hier j in den meisten Schulen eingeführt ist, muß ein Lehrer Religion, hebräische, deutsche und ungarische Gegenstände vortragen. Welche Erfolge können bei einer solchen Ueberhäusung und Diversität von Gegenständen von einem Lehrer erzielt werden, und wie viel Zeit kann er da für's hebräische Fach, womit früher alle, oder doch der ] größte Th eil der Schulstunden zugebracht wurde, verwenden? In Schulen, wo das Fachsystcm besteht, und ein Lehrer einzig und allein j den hebräischen Unterricht leitet, können solche Klagen nicht Statt haben. Doch auch an solchen Schulen sollte noch wenigstens eine Stunde außer der Schulzeit auf's Hebräische verwendet werden*), wofür, wohlgemerkt! der Lehrer insbesondere honortrt werden müßte, nicht aber, daß man ihm dies bei seinem ohnedies schwachen Honorare, noch zur Pflicht machen wollte, wie es mehrere Gemeinden so gerne thäten, und dem Lehrer somit die Gelegenheit genommen wäre, sich durch einige Lectionen sein Einkommen zu vergrößern,; um mit seiner Familie nur einiger Maßen anständig leben zu können.; i Es wird bald eine Zeit kommen, wo nicht nur das Hebräische *) Anm. d. Red. Eine solche ntchtobltgate Stunde außerhalb der Schulzeit wird wenig fruchten. Schon die mangelhafte Berücksichtigung dieses wichtigsten Gegenstandes einer jüdischen Schule im »orschrtstmäßtgcn Lehrplan degradirt ihn in ä den Augen der Jugend, macht die nicht obligate Unterrichtsstunde zur Last und führt einem Gegenstände muffige und lässige Schüler zu, der mit der ganzen ff Frische des Geistes und der ganzen Freudigkeit des GemütheS erfasst sein will. Nur f ein Lehrplan kann retten, in welchem beide Untcrrichtszweige in gleicher Dignität ihre : gebührende, sich gegenseitig tragende und unterstützende Stellung gesunden. Zu einem j solchen Ziele kann aber nicht, wie aui Schluffe dieses Art. gehofft wird, die Jnittative von der Regierung erwartet werden, welcher bei dem besten Willen naturgemäß ft, die richtige Einsicht in die Erfordernisse des jüdischen religiösen Unterrichts entgeht,;1 und die denselben gewöhnlich nach rem Maßstabe ihrer consessionellen Bedürfnisse besZ misst, für welche einige wenige wöchentliche Stunden ausretchcn. Hier muß das richtige!! Bewußtsein in den Gemeinden erwachen und diesem Bewußtsein der rechte Wille die :;I thatsächliche Verwirklichung bringen.