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Jeschurun · 1859-03-01 · Heft 6 (März 1859) · p. 318

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Jeschurun
Volume
5 (1858-1859)
Issue
Heft 6 (März 1859)
Article
Culturhistorische Skizzen aus Ungarn
Date
1859-03-01
Page
318 (sequence 4)
Language
German
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318 Culturhistorische Skizzen aus Ungarn. Es war solchen Leuten stets weniger um das Wissen und den Fortschritt ihrer Kinder, als vielmehr um die unbestreitbaren Rechte, die mit diesem Regime verbunden waren, zu thun. Da nämlich in jeder Gemeinde einige Winkelschulen bestanden, so hatte ein Vater die Annehmlichkeit, sein Kind von dem einen Lehrer weg und zu Beispiel und Streben kennen lernen, so lange werden alle diese naturgemäß in jedem Elemente der allgemeineu Bildung einen Feind des jüdischen Wiffens und Lebens erblicken, auch das Unschuldigste, weil sie es nicht kennen und es ihnen aus dem wahren Judenthume abgewandten Händen geboten wird, eben seiner Bringer und Meister willen, nur mit Mißtrauen aufnehmen. Wir fügen aber sofort mit derselben Entschiedenheit hinzu: So lange die gesetzestreuen Juden nicht selbst die Sache der allgemeinen Bildung in Händen nehmen; so lange sie der allgemeinen Bildung feindlich, mißtrauisch, oder auch nur kalt und gleichgültig gegenüber stehen; so lange sie ihrerseits die jüdische Bildung der Jugend nur einseitig, mit Ausschluß aller allgemeinen Bildung oder auch nur mit nicht genügendem Anschluß an dieselbe wollen; so lange sie die Jugend nicht mit gleich aufrichtigem Ernste für die Bildung des allgemeinen socialen Lebens wie für das mit bewußtvoller Hingebung zu erfüllende unverkümmerte und ungeschmälerte, gesetzestreue Judenthum gewinnen wollen; so lange sie nicht zugleich die Vertreter der allgemeinen wie der jüdischen Bildung werden: so lange werden alle die einseitigen Vertreter der allgemeinen Bildung in dem Elemente des jüdischen Wiffens und Lebens einen Feind der Bildung wähnen, so lange wird die Jugendbildung immer wieder und wieder in Hände fallen, die sie für Alles nur nicht für's Judenthum bilden und erziehen, so lange wird das kommende Geschlecht sich der allgemeinen Bildung zuwenden und das Judenthum, das gesetzestreue, einzig wahre Judenthum fliehen, das man sie als ein Gebiet der Barbarei und der Unkultur verachten und höchstens bemitleiden gelehrt. Für Ungarn wie für uns alle giebt es nur in ernster und aufrichtiger Hingebung an Ein Princtp Heil, und dies Princip ist kein anderes, als das bereits von unfern wahren Weisen ג״ע wiederholt zur Beachtung empfohlene: תלמוד תורה עם ״ ,דרך ארץreligiöse Bildung und sociale Bildung Hand in Hand gepflegt". Jede Einseitigkeit nach der einen wle nach der andern Sette ist vom Uebel, erzeugt und verewigt die beklagenswerthen Gegensätze, die den Frieden unserer Gemeinden untergraben und das kommende Geschlecht seiner heiligsten Bestimmung entfremden. Nur eine ernste und aufrichtige Hingebung an dieses Princtp, das keine Vermittelung, kein justs milisu, somit keine Lüge, sondern die einheitliche und gleichberechtigte Pflege zweier Btldungsmomente in sich begreift, die nur Oberflächlichkeit, Ungründltchkeit und halbwiffende Beschränktheit zu Gegensätzen stempelt, nur eine ernste und aufrichtige Hingebung an dieses Princtp, und eine von diesem Princip durchdrungene einheitliche Bildung und Erziehung der Jugend kann uns gebildete Juden und jüdische gebildete Mnner und Frauen schaffen, und in dieser Einheit den klaffenden Bruch unserer Zeiten heilem

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