Jeschurun
- Journal
- Jeschurun
- Volume
- 5 (1858-1859)
- Issue
- Heft 6 (März 1859)
- Article
- Culturhistorische Skizzen aus Ungarn
- Date
- 1859-03-01
- Page
- 317 (sequence 3)
- Language
- German
- Belongs to
- article
- OCR quality
- 96% known words query
- IRI
…/2932754-2932863-2932870-2943313--04462-2943373- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
OCR text
Von Ignaz GoldMn. 317 ,1 Kl! ausgestattete Schulgebäude herfiel und die trefflichen, mit Mühe, Kosten und Opfern, herbeigeschafften Requistten zertrümmerte und zerstörte. Dank den festen Mauern, welche dieser fanatischen Wuth Widerstand leisteten, sonst würde das schöne Schulgebäude, das für sie eine Bastille war, weil es die strafbare Aufgabe hatte, das Licht des Wissens den zarten und empfänglichen Sprößlingen künftiger Generationen einznimpfen und sie aus dem düstern Bereiche der Unwissenheit in das heitere und glanzvolle Gebiet der Bildung zu führen, bis auf den Grund zerstört und dem Boden gleich gemacht worden sein. An vielen andern Orten ging es nicht viel glimpflicher her. *) *) A n m. v. Ned. Wir wollen sicherlich nicht solchen rohen, gewaltthäiigen Ausbrüchen, sei es in welchem Interesse und aus welchen Beweggründen auch immer, irgendwie und irgendwo das Wort reden. Allein, wenn in dieser Correspondcnz vielfach über die Hindernisse, Kämpfe und Anfeindungen geklagt wird, die die Errichtung regelmäßiger, Bildung verbreitender Schulen Ln Ungarn bisher gefunden, so scheint der geehrte Herr Correspondent die Grundursache übersehen zu haben, die er selbst in der Schlußklage seines Artikels enthüllt. Er selbst klagt am Schlüsse seiner Schilderung über die Vernachlässigung des Hebräischen in fast allen diesen neu errichteten Schulen, sowie über die Unwissenheit der in ihnen wirkenden Lehrer int Gebiete des hebräischen Wissens, und dabei scheinen die Anforderungen, denen der Herr Einsender genügt sehen möchte, sich kaum über Kenntniß der hebräischen Sprache, der Bibel, wie der Gebete im Urtcrtc, somit kaum über das Minimum hinaus zu erstrecken, das überall von jüdischen Schulen und jüdischen Lehrern erwartet werden muß. Schulen und Lehrer sind somit völlig, oder doch fast ganz dem religiösen Wissen — nicht auch ebeudamit dem religiösen Leben? — abgcwendct; jedenfalls sind diese Schulen keineswegs Pflanzstätten, in welchen die Jugend für jüdisches Wissen und jüdisches Leben herangebildet und aus welchen sie als gebildete Juden hervorgehen werden; — und da sollen diese Schnlen allgemeine Begeisterung w'üen, allgemeine Anerkennung und Förderung finden, da soll sich nicht gegen sie Alles erheben, wo noch ein Funke Liebe und Anhänglichkeit für Judenthum glüht, Alles, dem es noch Ernst ist das gesetzestreue Judenthum in Wissen und Leben auf unsere Kinder zu vererben, und dem keineswegs in der glänzendsten Bildung und den gelehrtesteu Kenntnissen ein Ersatz geboten scheint für die Einbuße, die die Jugend am Judenthume in Wissen und Leben erlitten?? Wir iprechen cs mit aller uns zu Gebote stehenden Entschiedenheit aus: So lange die Freunde der allgemeinen Jugendbildung dieselbe auf Kosten der jüdischen Bildung der Jugend erstreben; so lange ihnen bei ihrem Streben das jüdisch-religiöse Wissen und die dadurch bedingte Ertüchtigung für ein jüdisch-religiöses Leben in ungeschmälertem, unverkümmettem Sinne des gesetzestreuen Judenthums in den Hintergrund tritt; so lange sie nicht mit gleichem Ernst und gleich aufrichtigem Eifer für das jüdische wie für die allgemeine Bildung der Jugend thatig find: so lange werden und müssen fie in jedem gesetzestreuen Juden Opposition finden, so lange werden namentlich diejenigen gesetzeötreuen Juden, die selbst der allgemeinen Bildung fremd, diese allgemeine Bildung eben nur aus ihrem, deren Vertreter und Verfechte