Jeschurun
- Journal
- Jeschurun
- Volume
- 5 (1858-1859)
- Issue
- Heft 6 (März 1859)
- Article
- Adar- und Weadar-Gedanken
- Date
- 1859-03-01
- Page
- 289 (sequence 5)
- Language
- German
- Belongs to
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Adar- und Weadar-Gedanke» 289 in den Schmutz der Verächtlichkeit zu treten bemüht ist, — der nicht aus den Händen einer mehrtausendjährigen Vergangenheit und nicht aus den Händen seines Schöpfers die Ausgabe und das Gesetz hinnehmen möchte, der einen Jeden sein Geburtsjahr als Anno I. und seine Träume als Sinai-Offenbarungen schätzen lehrt,— der sich ״historisch" nennt und dem doch die erste und wahrhaftigste Quelle aller Geschichte, die Tradition, die lebendige mit dem dreitausendjährigen Herzblut einer ganzen Nation geschriebene und besiegelte Ueberlteferung nichts gilt, der aber seine diesseitige und jenseitige Seligkeit auf die erste beste luftige Hypothese einsetzt, die irgend ein doktrinirter Dünkel aus dem Verwesungsstaub einer vergilbten Handschrift Lorbeer suchend herausconjektnrirt — ist das nicht jenes hundertäugigc Horn, jener großsprechende Mund, der Gesetz und Zeiten ändern und uuserm Volke eine neue geschichtliche Ausgabe und ein neues Gesetz ausschwtndeln möchte, die der Mund Gottes nicht sanktionirt? Und da soll der Frühlingshauch kommen und die dünkelhaften Leichen aus ihren Gräbern wecken, da soll der Gottesstrahl kommen und die Herzen öffnen, und die Pulse wärmen, und die Geister zünden, daß sie leuchten und glühen und blühen und leben?! Fühlen sie sich denn als Leichen, sehnen sie sich denn nach einem Frühlingshauch, gibt's denn noch für sie einen Gottesstrahl? Sie sind ja die Lebendigen und der Hauch ist Moder, sie sind ja die Erleuchteten und der Strahl ist blind! ״Weis' erst dein Recht nach, unsere Ruhe zu stören!" tönt es aus den Gräbern dem Hauche, ״Müssen erst dein Kredittv prüfen!" schallt es aus den Herzen dem Strahle -entgegen; und so kämen und gingen die großen Gottesherolde der Zeiten, käme und ginge selbst das Niffan-Fest mit seinem Blüthenstabe an uns spurlos vorüber, wenn nicht das Bedürfntß erst geweckt und die dichte Last der Erde erst gelockert, die die Särge unserer Herzen begräbt, wenn nicht dem festlichen Gottesherold Herolde vorangtngen, die ihm den Weg zu unfern Gräbern und Herzen bahnten und in uns die Sehnsucht nach seiner Botschaft wachriesen. Ein solcher Vorherold ist שקלים! Er weist uns Alle mit unferm geistigen hochmüthigen Selbstdünkel zuerst auf einen einzigen gemeinsamen Mittelpunkt, aus ein einziges gemeinsames Herz, auf die einzige Hetligthumsstätte des einzigen göttlichen Gesetzes hin,