Jeschurun
- Journal
- Jeschurun
- Volume
- 5 (1858-1859)
- Issue
- Heft 6 (März 1859)
- Article
- Adar- und Weadar-Gedanken
- Date
- 1859-03-01
- Page
- 288 (sequence 4)
- Language
- German
- Belongs to
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288 War- und Weadar-Gedanken. kommener bureaukratischer Formalismus des Gcmeindewefens, das sind die ärgsten Feinde unserer Erhebung, das sind die winterlichen Mächte, die unser Einzel- und Gemeinde-Leben weit ab aus dem Bereiche des weckenden und verjüngenden Frühltngshauches der gottlichen Institutionen bannen. Egoismus, und zwar jener geistige Egoismus zuerst, der mit unendlicher Ueberschätzung des Jahrhunderts im Allgemeinen und mit wo möglich noch größerer Ueberschätzung des, bei Lichte besehen, unendlich winzigen Anthetls eines jeden Einzelnen an der geistigen Arbeit und den geistigen Errungenschaften und dem geistigen Verdienste des Jahrhunderts, jeden Ersten, Besten, sich selber den kritischen Dreifuß zurechtstellen läßt, von dessen Höhe herab, ohne die Akten zu lesen, ohne die Akten zu verstehen, mit einer Leichtigkeit, als gälte es eine schöngeistige Charade zur Kurzweil eines Salon- Abends zu lösen, beurtheilt und vernrtheilt wird Alles, was vergangene Jahrtausende zur Gründung und Wethe, zur Läuterung und Veredlung des Lebens überliefert, und unter kritischem Gelächter mit einem Paar einander abgeborgter Sptelmarken-Phrasen der Stab gebrochen wird über Alles, was die vieltausendjährige Geistesarbeit eines Volkes, unserer eigenen Nation, geschaffen, ja, was der Geist aller Geister, der Herr aller Zetten, der Wecker und Meister und Erzieher aller Jahrhunderte unserer Gesammtheit im Ganzen und durch sie jedem Einzelnen von uns zur Erziehung und Leitung, zur Regelung und Vollendung des Lebens gereicht. Jenes ״mit eisernen Zähnen und ehernen Klauen" gerüstete Wesen, das ״zermalmend genießt und den Rest mit Füßen zertritt", jenes ״mit Menschenaugen gerüstete Horn", jenes ''״פם ממלל רברבן, jener ״großsprechende Mund", der "מלין לצר עלאה ימלל ולקדישי עליונין יבלא ויסבר להשניה זמנין ודח", der ״dem Höchsten entgegen Worte spricht, allem geistig Hohen den Untergang zu bringen und den Wurf der Zetten und das Gesetz ändern zu können vermeint", — ist dies nicht das Bild jenes kritischen Dünkels, der heutzutage in unfern jüdischen Kreisen nicht nur die ״Gelehrten erfüllt, auf welche unsere Zeit mit Stolz htnblickt", sondern aus jeden Schulbuben und jeden Handlungsgehülfen und jeden Instituts-Meister als Modeton und Bildungsparole übergeht, der, nur im — vermeintlichen — Zermalmen seinen Genuß findet und was seinen Zähnen zu hart,