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Jeschurun · 1859-02-01 · Heft 5 (Februar 1859) · p. 279

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Jeschurun
Volume
5 (1858-1859)
Issue
Heft 5 (Februar 1859)
Article
Orient : französische jüdische Unterrichtsanstalten im Orient [Nachricht]
Date
1859-02-01
Page
279 (sequence 4)
Language
German
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279 II nur zur Ausgleichung gebracht, nein, wenn in ihnen dieser Gegensatz nicht völlig aufgehoben, wenn bei ihnen Bildung und Judenthum nicht Eins ist, wenn sie nicht volle, ganze Juden in Wissenschaft und Leben, im alten Sinne des Wortes Juden sind, deren bestes Wissen und deren beste Bildung im Judenthum wurzelt, deren Bildung selbst nur aus dem Judenthum hervorgegangen; wenn sie nicht dorthin gehen um dort die Lösung des Problems zu versuchen, dessen Verkennung leider in Europa all das Bejammernswert^, all den Zwiespalt und die Zerklüftung, all die religiöse Verkümmerung und Entfremdung gebracht, die wir beklagen und über die noch Kind und Kindeskinder Zu klagen haben werden, des Problems nämlich: auf dem alten jüdischen Grundsatz, חורה עם דרך ארץ, ein einheitlich ganzes, jüdisches gebildetes und gebadetes jüdisches Leben, ohne Verkümmerung des Jndenthums in Wissenschaft und Leben aufzuführen; wenn auch dort die ״neue Bildung" als das עיקר, als das Absolute in einseitiger Ueberhebung dahin gestellt, und der חורה in Wissenschaft und Leben VN bflnque gekündigt werden sollte, die neue Bildung sich, wie man spricht, Bahn brechen, und vor ihrem einseitig beschränkten und darum hochmüthigen Gigantmfchritt חורה und מצרת weichen, und nur so viel Terrain einer kümmerlichen Epistenz fristen sollten, als ihr diese dann vermeintliche ״Bildung" aus ״Pietät", aus Klugheits-Rücksichten, aus toleranter Milde, oder aus welchen sonstigen Motiven auch immer noch erlauben möchte; wir sagen wenn diese Hypothetischen Voraussetzungen wahr: dann in der That, könnten wir über alle diese philantropischen Bildungs-Bestrebungen im Oriente abfeiten unserer jüdischen Brüder uns nicht freuen, dann wären sie keine jüdische bies faisance, dann brächten sie nicht jüdisches Heil, und es ruhte auf ihnen nicht der jüdische Segen. Wir würden aber zu diesen Fragen schon Veranlassung haben und lägen uns auch nichts weiter als die Erfahrungen aus Europa vor׳ Wir würden dann nach allen, wahrlich in Frankreich nicht minder am Tage liegenden Erscheinungen fragen: WaS hat man gethan, um mit diesen Bestrebungen unfern Brüdern im Orient nicht zugleich eine Pandorabüchse all der bejammernswerthen Zustände zu bringen, mit denen das Judenthuw in Europa seit dem Beginn dieser einseitigen ״Bildungs- Propaganda" zu kämpfen hatte? Oder soll auch der Orient in all die traurigen Zerwürfnisse und Zerklüftungen, in all den religiösen Abfall mW die religiöse Entfremdung mit hiueingerissen werden, die uns die einfeitiae moderne Bildung in Europa gebracht? Sind wir in Europa bereits — religiös — so gesund, daß nicht etwa nur eine traurige Verblendung die Augen über die Gefahr schließen könnte, auf dem Wege philantropischer Berührung auch unfern fernen Brüdern die beklagenswerthesten Krankheitsstoffe zu bringen? So würden wir fragen unb um Belehrung bitten, und uns der Hoffnung Hingaben, vielleicht im Orient das nachgeholt zu finden, was 20*

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