Jeschurun
- Journal
- Jeschurun
- Volume
- 5 (1858-1859)
- Issue
- Heft 5 (Februar 1859)
- Article
- Orient : französische jüdische Unterrichtsanstalten im Orient [Nachricht]
- Date
- 1859-02-01
- Page
- 278 (sequence 3)
- Language
- German
- Belongs to
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Kindes der ihm natürlichen Veredlung und Vervollkommnung zugeführt werden? Können Franzosen und Französinnen durch französische Sprache und französische Anschauung für französische Bilduugßzwecke auf asiatischem und afrikanischem Boden asiatische und afrikanische Kinder meusch:: lich bilden? Läßt sich Jugendunterricht und Jugendbildnng auf ihren! heimischen Boden allem dem entreißen, womit der so unendlich mächtige Faktor ״Heimath" die Psyche des Kindes bis ins Innerste der Anfchauungen, Begriffe, Empfindungen und Gefühle, Sitten und Gewöhnungen umschlungen hält, ohne Gefahr zu laufen, die Jugend dem Besten und Heiligsten, woran die Bildungsarbeit anknüpfen müßte, zu eutsremden und geistige und ethische Zerrbilder Zu schafftu, die im besten Falle exotischen Kunstpflanzen gleichen, die, unter orientalischen! Himmel für europäische Lebenszwecke gebildet, dem Boden und der Luft nicht angehören, auf welchem und in welchem sie athmen, und des Bodens und der Luft ׳entbehren, für welche sie künstlich gepflegt und gestaltet worden? Wir fürchten sehr, diese französische Bildung auf orientalischem Boden dürfte die asiatische und afrikanische Jugend Allem was ihr ehrwürdig und theuer sein muß, ihren Eltern und Geschwistern, ihren Freunden und Verwandten, ihrem Lande und seinem menschlich Großen, Wahren und Evleln — oft in lächerlichem Hockmuth — mtfremden und ihr für diese heiligsten und unveräußerlichsten und un ersetzlichen Schätzen menschlicher Bildung, Errungenschaften bringen, die, losgelöst von dem heimischen Boden des Geistes und Gemüthes, bei glänzender äußerer Tournüre, leicht nur als Momente Leklagcnswerther Vorkümmerung sich erweisen dürften. Wir sagen, wir fürchten dies, und wären sehr froh, wenn wir durch Belehrung eines Bessern über diese Furcht beruhigt werden möchten. Eine nicht minder ernste Frage wäre die nach der Beziehung dieser Bildungsbestrebungen zu dem religiösen Momente im Oriente, die Frage nach dem Einflüsse, den diese Bestrebungen bewußt oder unbewußt auf die religiöse Gesetzestreue unserer Brüder iw Oriente, auf den religiösen Frieden und die religiöse Reinheit ihrer Gemeinden, aus daS ganze geistige und praktische Leben im Judenthum und für das Judenthum daselbst üben. Wenn diese von Europäern dorthin verpflanzten Bildungsbestrebungen mit diesen Bildungsbestrebungen zugleich die Keime aller der traurigen Erscheinungen dorthin brächten, die wir in Europa zu beklagen haben; wenn auch dort die ״neue Bildung" sich von vornherein im Gegensatz Zu dem ״alten Judenthume" in Wissenschaft und Leben setzen sollte, —- und dann auch naturgemäß dieses alte Judenthum in pflichtgetreue Opposition gegen sich provociren würde;— wenn auch dort die ״neue Bildung" auf Kosten der alten religiösen Gesetzeskunde, noch mehr auf Kosten der alten religiösen Gesetzestreue erworben werden sollte; wenn die Männer, die diese Bildung dort vertreten, hegen und pflegen, nicht erst bei sich und in sich diese' Gegensätze, wir sagen nicht