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Jeschurun · 1859-02-01 · Heft 5 (Februar 1859) · p. 265

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Jeschurun
Volume
5 (1858-1859)
Issue
Heft 5 (Februar 1859)
Article
Kleine Bilder aus der jüdischen Gegenwart
Date
1859-02-01
Page
265 (sequence 8)
Language
German
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@hi Opfer. 265 i Spiel zu haben. Zitternd legte sie ihre kleine weiche Hand in die i Levt's. Ihr Mund öffnete sich zu einigen Abschtedsworten, die Stimme ־ erstarb ihr auf den Lippen. In tiefster Erregung drückten sich die י Hände. Es schien, als wollten Beide in diesem Händedrucke sich Al- E les sagen, was ihre Herzen erfüllte. — Levi riß sah los. Wir eil-! ten zum Bahnhose. Ich hatte Alles verstanden. Kein Laut kam auf dem Wege über Levi's Lippen. Was aber in ihm vorgtng, mußte? fürchterlich sein. Er wußte sich verrathen, er sah das erbarmungslose Spiel, das man mit ihm trieb, und war wehrlos, wie das Lamm,; das dem Tode entgegengeführt wird; er wnßte sein Liebstes in Ge-! fahr und mußte fort, weit fort, er konnte, er durfte nicht retten. ׳ — Lange hielten wir uns beim Abschiede umschlungen. Keiner brach das Schweigen. Ich fühlte sein Herz in heftigen Schlägen an dem;!mittigen und konnte nicht trösten, nicht beruhigen." ״Da rollte der Wagen hin. Zwei Seelen, die die Vorsehung zusammengeführt, waren getrennt; das selige Glück, das der allgütige Vater hatte stiften wollen, rohe Menschenhände hatten es zerj stört. Zwei Herzen waren gebrochen und das zerstörte Glück und die gebrochenen Herzen, sie traten als Ankläger hin vor Gottes Thron und sprachen: Vater der Menschen, wir sind das Werk des Stolj zes und des Hochmuths." 1 In heftiger Erregung war Goldthal aufgesprungen. ״Was soll i ich Ihnen noch weiter erzählen," sagte er nach einer Weile, j ״Die Zeit drängte, der Bräutigam wurde den andern Tag er- - wartet. Das Hinderniß schien weggcräumt. Erst in zärtlichem, lie- \ benden Tone suchten die Eltern ihre Tochter zu überreden. Nur die j Macht der Liebe konnte der Armen Kraft zum Widerstande geben.! Die Eltern waren wie mit Blindheit geschlagen. Den Verlust des i Lebensglücks verlangten sic von Julie und zwar endlich mit solcher j Heftigkeit, die der Tochter bis heute fremd gewesen. Der Vater i warf ihr Ungehorsam, Undankbarkeit vor. Das war mehr, als Inlie ertragen konnte. Ihre Kräfte verließen sie, sie sank ohnmächtig; in die Arme der Mutter. Ein hitziges Fieber warf sie aufs Kran- 1 kenlager. Nach B. wurde telegraphirt, die Verlobung müsse wegen 1 einer plötzlichen Krankheit der Braut aufgeschobcn werden." I ״Aber noch immer öffneten sich die Angen der Eltern nicht; j der Geldstolz hielt sie geblendet. Die Ueberzeugung, daß sie ihr Kind '4 i

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