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Jeschurun · 1859-02-01 · Heft 5 (Februar 1859) · p. 264

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Jeschurun
Volume
5 (1858-1859)
Issue
Heft 5 (Februar 1859)
Article
Kleine Bilder aus der jüdischen Gegenwart
Date
1859-02-01
Page
264 (sequence 7)
Language
German
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264 Kleine Bilder aus der jüdischen Gegenwart. beschicken. Nach einer halben Stunde trat er wieder in das Comptoir. Man sah den Kampf, der sein Inneres bewegte; er war auffallend blaß, aber gefaßt und ruhig. ״״Ich habe in wichtigen Geschäften eine große Reise zu unternehmen, sagte er, die mich wohl auf einige Wochen entfernt hält; ich muß den nächsten Zug benutzen."" Er schüttelte Jedem die Hand zum Abschiede und begab sich auf sein Zimmer, um seine Sachen zur Reise zu ordnen. Ich folgte ihm. Er war mit dem Zusammenlegen seiner Garderobe beschäftigt; ohne ein Wort zu sagen, leistete ich ihm Beistand. Endlich brach er das Stillschweigen. ״״Goldthal, sagte er mit mühsam erhaltener Fassung, wenn etwas hier im Hause geschieht, schreiben Sie mir nach London; nicht wahr, Sie thun es? Es ist ein großer Freundschaftsdienst, den Sie mir leisten."" Ich versprach es natürlich. Wir hatten den Koffer zugeschnallt; er ging in heftiger Bewegung im Zimmer auf und ab. ״״£>, es ist schrecklich, hörte ich ihn für sich sagen, schrecklich! — Wo gibt es Linderung! — Warum bin ich nur ein armer Schreiber?!"" — ״״Kommen Sie, redete er mich nach einer Weile an; nicht wahr, Sie begleiten mich zum Bahnhose? Es ist Zeit, daß ich aufbreche; ich muß mich noch bei den Damen verabschieden."" — Wir traten in das Wohnzimmer; Mutter und Tochter waren allein." ״Levi theilte die Ursache seiner plötzlichen Abreise mit; die Dame des Hauses ergoß sich in Lob über seine Leistungen, über das Vertrauen, das ihr Mann in ihn setze und ermahnte ihn vorsorglich, besonders auf ferne Gesundheit zu achten. Die Zeit drängte, wir mußten aufbrechen. Levi näherte sich der Tochter. Diese hatte während der ganzen Zeit kein Wort gesprochen. Ueber ihren Stickrahmen gebeugt, schien sie ganz mit der Landschaft beschäftigt zu sein, die ihre kunstfertige Hand auf den Teppich hervorzaubern sollte. Als Levi neben ihr stand und ihr die Hand zum Abschied bot, fuhr sie wie aus einem Traum erwachend empor. ״״Leben Sie wohl, Fräulein Julie,"" sagte Levi in anscheinend ruhigem Ton, durch welchen aber eine tiefe Wehmuth hindurchklang. Julie würde sonst keinen Augenblick gesäumt haben, auf dieses ״Fräulein" und ״Sie" mit einer schalkhaften Gegenrede zu antworten. Die Zeit der Harmlosigkeit aber war vorbei. Das arme Mädchen hatte den Plan durchschaut. Man wollte ihren Geliebten entfernen um leichteres

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