Jeschurun
- Journal
- Jeschurun
- Volume
- 5 (1858-1859)
- Issue
- Heft 5 (Februar 1859)
- Article
- Kleine Bilder aus der jüdischen Gegenwart
- Date
- 1859-02-01
- Page
- 263 (sequence 6)
- Language
- German
- Belongs to
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Ein Opfer. 263 in dieser wichtigen Sache könne und dürfe sie ihren Gefühlen nicht entgegen handeln." ״Die Mutter wußte sich diese Laune ihres Kindes, das ihr bis zum heutigen Tage nicht den geringsten Widerspruch geleistet, nicht zu erklären. Auch dem Vater war das sehr überraschend. Nach reiflicher Erwägung indessen mußten sich die Eltern gestehen, daß dieser vermeintlichen Laune doch wohl etwas Ernstes zu Grunde liegen müsse. Sollte ihre Tochter, ihre Julie ein Geheimniß vor ihren Eltern haben können? Dieses zu ergründen war die nächste Aufgäbe. Es gelang den Eltern auch, der Sache ans die Spur zu kommen. Mit Thränen in den Augen bat Julie, sie möchten ihren Plan aufgeben und gestand endlich, sie könne dem ihr von den Eltern bestimmten Manne nicht angehören, es habe sich in ihrem Herzen bereits das Bild eines Anderen eingebürgert, das so vollständig dort Besitz ergriffen, daß kein anderes Bild daneben Platz habe. Man möge nicht weiter in sie dringen, es werde ihr schwer dem Wunsch der Eltern nicht willfahren zu können, aber hier dürfe sie nicht. Die Eltern wußten genug." ״Das Vorhaben der Eltern konnte Levi nicht verborgen bleiben. Er war in die Privatcorrcspondeuz des Principals eingeweiht und dieser hatte so selten ein Geheimniß vor ihm, daß er auch hievon etwas erfuhr. Was Levi in diesen Tagen gelitten, das weiß nur Gott. Aeußerlich war er derselbe. Nur ein Mal übermannte ihn sein Gefühl." ״״Was der Mensch Alles ertragen kann, sagte er eines Abends zu mir, das übersteigt alle Begriffe. Er kannruhig scheinen, während das Herz in ihm tobt; er kann lächeln, während er vor innercn Schmerzen schreien möchte; er kann froh und heiter scheinen, während ihm des Lebens Licht und Sonne nnterzugehen droht."" Ich sah ihn verwundert an, es lag so viel Wchmuth, so viel Trauer in seiner Stimme, wie ich das nie bei ihm gewohnt war: ״״Freuen Sie sich, Goldthal, fuhr er fort, als er mein Erstaunen bemerkte, wenn Sie diese Empfindung nicht kennen, wenn Ihnen nie das Sterben beneidenswerth erschienen, wenn Sic nie erfahren haben, wie viel blutige Menschenopfer Stolz und Hochmuth dem Egoismus darbringen."" ״Eines Morgens wurde Levi in das Prtvatgcmach des Chefs iS«