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Jeschurun · 1859-02-01 · Heft 5 (Februar 1859) · p. 262

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Jeschurun
Volume
5 (1858-1859)
Issue
Heft 5 (Februar 1859)
Article
Kleine Bilder aus der jüdischen Gegenwart
Date
1859-02-01
Page
262 (sequence 5)
Language
German
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262 Kleine Bilder aus der jüdischen Gegenwart. I ן - . wenn er auch wohl manchmal versuchte, ihr anzudeuten, daß , die Zetten sich geändert und die Verhältnisse sich darnach zu : richten hätten, so wußte sie jedes Mal dieses Bestreben zu vereiteln." ״Wer vermag die Gränzen zu ziehen, wo die freundschaftliche Zuneigung, die schwesterliche Liebe in wirkliche Liebe übergeht; wer vermag dem Herzen zuzurufen, bis hier und nicht weiter? Julie liebte j ihren Gespielen ohne sich dieser Liebe bewußt zu sein, und Levi— j war sich seiner Liebe zu ihr bewußt, er wußte, daß er hoffnungslos! liebe, daß der Stolz des Banquiers nimmer von der Liebe des Va- : ters überwunden werde. Er bekämpfte seine Gefühle und kein Wort seines Mundes, kein Laut feiner Stimme verrieth die Flamme, die in seinem Innern loderte." ״Julie war einundzwanzig Jahre alt geworden. Die Eltern dachten an eine Verlobung. Der reiche Hofagent R. aus meiner : Heimath, ein langjähriger Geschäftsfreund unseres Hauses, hatte j um ihre Hand für seinen Sohn angehalten. Stellung und Vermöj gen waren ebenbürtig, die Banquiers waren sich einig, das Gej schäft; war abgeschlossen; es bedurfte nur noch der Vollziehung, j Dem aufgeklärten Manne, dem Helden für die Emancipation der! Frauen, selbst dem liebenden Vater fiel es nicht im Traume ein, j daß zu seinem mcrcanttlischen Calcul noch ein weiterer Faktor hin- ן zuzuziehen sei, Der Tag der Verlobung wurde bestimmt, der Bräu-! tigam erwartet - Julie aber war noch gar nicht gehört worden, j Acht Tage zuvor übernahm es die Mutter ihr die nvchigen Mit-! Heilungen zu machen. Julie war Anfangs so überrascht, daß sie; gar nichts erwiedern konnte. Sie mußte sich erst klar machen, was j denn eigentlich mit einer Verlobung für eine Metamorphose mit ihr; Vorgehen würde. Sie ging mit sich zu Rathe und das Resultat ihrer Ucberlegung war, daß sie der Mutter vertraute, sie könne den! ihr bestimmten Bräutigam nicht annehmen." I »Die Reihe der Ueberraschung war an der Mutter.. Ein solj ches Geständnis; lag ebenfalls außer dem Kreise ihrer Berechnung. ן Sie machte Vorstellungen, erschöpfte sich in Ermahnungen, aber 1 Julie blieb bei ihrer Erklärung: sie wisse wohl, welche Pflichten sie j gegen Vater und Mutter habe, sie ehre und liebe sie so warm und i! innig, wie nur Kinder ihre Eltern lieben und ehren können, aber j

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