Jeschurun
- Journal
- Jeschurun
- Volume
- 5 (1858-1859)
- Issue
- Heft 5 (Februar 1859)
- Article
- Einige Worte über die jüdischen Religionsschulen in Deutschland
- Date
- 1859-02-01
- Page
- 240 (sequence 4)
- Language
- German
- Belongs to
- article
- OCR quality
- 96% known words query
- IRI
…/2932754-2932863-2932869-2943207--04354-2943255- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
OCR text
240 Einige Worte über die jüd. Reltgionsschulen in Deutschland. kunstgerecht gebildeten Sätzen über Moral, Wesenheit Gottes und Pfltchtenlehre reden zu Horen, vielmehr zu wissen, daß sie die Bedeutung des Judenthums erfasst haben, die Achtung vor dem Gesetze ihrer Väter ihnen tief eingeprägt ist, und ste das Erkannte und Erfasste auch im Leben bethätigen werden. Und die so eben angedeuteten Confltkte werden nicht ausbleiben, sobald der Unterricht noch auf den Namen Religionsunterricht Anspruch macht. Der Reltgionslehrer muß, wenn er nicht pflichtwidrig und gewissenlos handeln will, den in christlichen Schulen eingesvgenen Ideen entgegenarbeiten, muß Lehren, wie Messtaslehre, sündenfähige Natur des Menschen aber nicht Erbsünde, und andere, in denen die beiden Religionen auseinander gehen, vom jüdischen Standpunkte aus beleuchten, und ste um so eingehender behandeln, je größer die Gefahren, je mehr der Schüler fremden Einflüssen ausgesetzt ist. Unterläßt er es, ist er beruhigt, wenn sie von Setten der Schüler nicht zur Sprache gebracht werden, so erzieht er Mißgestalten eines beklagenswerthen Zwitterthums, die nicht wissen, wohin sich wenden und in deren Brust jedes religiöse Gefühl sein Grab gefunden. Trüber und nicht weniger unverweidlich als dieser Streit ist leider in unfern Tagen der mit dem Elternhause und der häuslichen Erziehung geworden. Wie soll ich mich mit der religiösen Richtung des Hauses, mit den Ansichten der Eltern verhalten? Soll ich das als Gebot Gottes lehren, was das Kmd mit Füßen treten sieht? Diese Fragen mögen schon Manchem bittere Stunden bereitet haben, äber nur dem Schwächling, dem mehr im Dienste der Eltern als im Dienste des Herrn Stehenden; der Starke, der seiner hohen Ausgabe sich bewußte Lehrer fragt nicht und schwankt nicht; erkennt die Richtschnur, die ihm seine Bahn vorschreibt und von der er keine Linie nbzuweichen wagt. In seinem Sinne sagen auch wir: dem Lehrer schwebe einzig und allein der Gedanke vor, daß er berufen ist, die Lehre Gottes, das Erbtheil Israels, zu verbreiten und nur dieser Pflicht suche er gerecht zu werden. Er lasse nicht mit sich handeln über die Axt und Weise des Unterrichts, wie viel ergeben, wie viel er fortlassen will; mache keine ״Zugeständnisse", über diese und jene nmv, die im Elternhause vergessen sind, flüchtig hinweg zu eilen. Ob das Kind sie erfüllen wird, ob cs sie im elterlichen Kreise erfüllen kgnn, das hat Memand in! Unterrichte zu erwägen —