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Jeschurun · 1859-01-01 · Heft 4 (Januar 1859) · p. 205

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Jeschurun
Volume
5 (1858-1859)
Issue
Heft 4 (Januar 1859)
Article
Der Jude in der Literatur
Date
1859-01-01
Page
205 (sequence 3)
Language
German
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Der Jude in der Literatur. 205 ruinenhafte Denkmäler zu erklären; hatte man hier ja nicht nöthig Expeditionen auszurüsten, Wüsten- und Seereisen zu unternehmen. Und doch genügt nur ein Blick in die Literatur, um uns zu überzeugen, daß Nichts so sehr verkannt, so wenig begriffen ist, so falsch beurtheilt, so unrichtig dargestellt ist, wie die Erscheinung des Juden und des Judenthums. Wenn irgendwo Aufklärung und Bertchtigung der Jrrthümer von Nöthen, so ist es hier. Tacituö wie Rotteck, Göthe wie Schiller, ja selbst ein Herder, der dem jüdischen Schriftschatze so nahe stand, sie und mit ihnen alle Anderen offenbaren eine total falsche, irrige Auffassung in dieser Hinsicht, und die schöne Literatur nun vollends hat, wo sie das Bild des Juden zeichnen will, nur Carrikaturen zu Stande gebracht. Aber nicht nur das Judenthum und der Nationalcharakter des jüdischen Volks, deren Beurtheilung ja immerhin ein gewisses Studinm erforderte und das Jnnehaben eines falschen Gesichtspunkts zuläßt, der je nach Vorurtheil und Sonderstellung des Beurthetlcrs wechselte, — die einfachen Schilderungen der jüdischen Sitten und Gebräuche, die ja klar und offenkundig sind, und nur ein getreues Reserat erfordern, wimmeln von den absurdesten Unrichtigkeiten. So haben «ns schon Novellisten in einer genauen Beschreibung der jübischen Gebräuche erzählt, wie die Juden ain Pfingstfeste in Laub- Hütten wohnten und am Lanbhüttenfeste des Abends stehend vor dem Mahle den Palmzweig schwangen, wie am Neujahrstage ungesäuertes Brod gegessen wird und am Wintersabbath die Juden vor der Kälte sich nicht zu schützen wußten, weil ihnen verboten Feuer im Hause zu haben, und dergleichen mehr. Wir wissen hierfür als Erklärung nichts Anderes als eben die ganze absondere Eigenthümltchkeit des Juden und seines Gesetzes anzugeben, womit er sich so sehr von allen andern ״Religtonsbekenntniffen" unterscheidet, daß der Nichtjude sich gar nicht zurecht finden kann. Während diese sich vorzugsweise an das Gemüth und die Gesinnung richten, fordert das Judenthum die That; wahrend diese nur einzelne Setten des Menschen in Anspruch nehmen, verlangt es den ganzen Menschen mit allen seinen Anlagen, Trieben, Bestrebungen und Handlungen; während diese sich zumeist aus die paar feiertägigen Stunden erstrecken, regelt es mit seine» Gesetzen das ganze 8e;

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