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Jeschurun · 1859-01-01 · Heft 4 (Januar 1859) · p. 206

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Journal
Jeschurun
Volume
5 (1858-1859)
Issue
Heft 4 (Januar 1859)
Article
Der Jude in der Literatur
Date
1859-01-01
Page
206 (sequence 4)
Language
German
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206 Der Jude in der Literatur. P 1 :1 ben in allen großen und kleinen Momenten; während diese kaum den Raum der geweihten Stätten überschreiten, begibt es sich auf den geschäftigen Markt sowohl wie in das Schlafgemach, in die Küche wie ans den Acker; während diese zwischen Priester und Laien unterscheidet, kennt das Judenthum nur Menschen und stellt an die Spitze seiner Gebote: ihr sollt mir ein Reich von Priestern sein und ein heiliges Volk. Das jüdische Volk ferner steht trotz seiner Zersplitterung und Zerstreuung doch immer als ein geschloffenes Ganze da. Es schmiegt sich allen Verhältnissen an, redet die Sprachen aller Nationen, nimmt Kleidung und gewissermaßen auch Lebensweise aller Völker an; trotzdem aber vermischt es sich nicht mit ihnen, geht nicht in sie auf. So bleibt der Jude doch immer dem Nichtjuden fremd und zwar in so eigenthümlicher, mit keiner anderen zu vergleichenden Weise, daß der Nichtjude nur das Aeußere kennen lernt, aber den Geist, das Wesen, den Charakter des Juden und des Judenthums nicht erfassen kann. Darum ist so manche Schilderung nichts Anderes als die Consequenz, die der Erzähler aus den vergangenen und gegenwärtigen äußern Verhältnissen der Juden a priori gezogen und die er für ein getreues Charakterbild ausgiebt. Merkwürdiger wohl noch ist die Erscheinung, daß selbst Juden so oft ein Bild des Juden der Welt vorgeführt, wovon auch nicht Ein Zug der Wirklichkeit entlehnt ist, oder das in dem Hauptsächlichen sich weit von der Wahrheit entfernt. Es ist uns hier nicht vergönnt, dieses durch ein genaues Eingehen auf die Erscheinungen der Novellistik näher zu begründen. Wir weisen Beispiels halber auf Mosenthal's Deborah, selbst aufKompert's Novellen hin. So merkwürdig diese Thatsache auch ist, so dürste wohl eben in den besondern Verhältnissen die Ursache dafür zu finden sein. Das jüdische Volk und das Judenthum sind so innig mit einander verwebt, das Eine ist so bedingt durch das Andere, daß sie in der That eins sind und ohne das Eine das Andere gar nicht denkbar ist. Der Jude, der sich vom Gesetz losgesagt hat, stellt sich nicht mehr als Jude dar; das Judenthum ohne die lebendige Verwirklichung im Juden läßt sich gar nicht erfassen. Wer also den Juden schildern will, muß den Geist des Judenthums erfassen, wer

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