Jeschurun
- Journal
- Jeschurun
- Volume
- 5 (1858-1859)
- Issue
- Heft 4 (Januar 1859)
- Article
- Der Bologneser Kindesraub
- Date
- 1859-01-01
- Page
- 201 (sequence 4)
- Language
- German
- Belongs to
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Der Bologneser Kindesraub. 201 Händen der Mönche ist der unmündige jüdische Knabe überantwortet. Und diese Thai der rohesten Barbarei, der Verhöhnung der allerheiligsten Rechte, vor denen selbst der Cannibale Achtung hegt, ist geschehen im Namen des allliebenden Vaters der Menschheit. Im Namen Gottes giebt man vor zu handeln, im Namen der Neliaion, die sich bezeichnend eine Religion der Liebe nennt. Mönche, die sich als Hirten der Menschen, als Diener Gottes geriren, sind die Thäter, und der sich Statthalter des Gesalbten nennt giebt seineu apostolischen Segen zu dieser Thai! Uns Inden ist solches nicht fremd. Wir sind gewohnt von Mönchen und Pfaffen das Schrecklichste zu erdulden; wir haben gelernt Feuer und Schwert, Gewalt und Raub, die der Diener dieser Liebesreligion über uns verhängte, zu ertragen. Jenes himmelschreiende Ereignisi, wir nehmen es hin als eine Schickung der Vorsehung und beherzigen die Mahnung, die die allmächtig waltende Vorsicht darin an uns richtet. Wir lernen daraus und die ganze Welt lernt es mit uns, daß Fanatismus und Aberglaube, Gewalt und Unrecht noch das Scepter schwingen auf Erden. Diese schreckliche That rüttelt die Menschen auf aus ihrer leichtsinnigen Huldigung und Vergötterung des Jahr- Hunderts; mit Donnerworten ruft sie über die Erde: die Heileszukauft ist noch nicht gekommen, die Menschheit hat ihren Messias noch zu erwarten! Der Bologneser Kindesraub zeigt, wie Freiheit und Menschltchkcit im Munde derer, die für sie so oft das Schwert zu führen Vorgaben, nur leere Klänge sind, nur als Deckmantel gebraucht werden, unter deren Schutz Eigennutz und Herrschsucht ihre Pläne verfolgen. Keine Macht ist bis jetzt gegen diesen schmachvollen Verrath, der an Freiheit und Menschlichkeit so offen begangen, ernst in die Schranken getreten; — der Judenknabe hat keine Entschädigung zu bieten, hier ist keine Machtvergrößerung zu erwerben. Die Mortara-Angelegenhcit legt aber auch einen Beweis des Ohnmachtsgcfühls Derer ab, die den Raub vollführt. Blicken wir um uns. Nicht das Bewußtsein der Stärke, nicht das Gefühl der Sicherheit ist es, das überall zu den erschreckendsten Maßregeln, zu den härtesten Einschüchterungen, zu den erbittertsten Feindseligketten gegen Andersdenkende führt. Das Gefühl der Unsicherheit,