Mannheim
Compact Memory

Jeschurun · 1859-01-01 · Heft 4 (Januar 1859) · p. 192

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Jeschurun
Volume
5 (1858-1859)
Issue
Heft 4 (Januar 1859)
Article
Grundlinien einer jüdischen Symbolik
Date
1859-01-01
Page
192 (sequence 12)
Language
German
Belongs to
article
OCR quality
94% known words query
IRI
…/2932754-2932863-2932868-2943113--04284-2943163
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

No entity mentions on this page.

OCR text

192 Grundlinien einer jüdischen Symbolik. ist mit seiner doppelten Bestimmung, der Verhüllung und Bedeckung, noch heute das beredteste Denkmal für den inner» und äußern Frieden, für welchen wir geschaffen, sowie für den inner» und äußern Zwiespalt, in den wir durch unsere Verirrung gerathen, und aus dem wir nur durch Verhüllung der thierischen Bloße, d. i. durch Unterordnung des Sinnlichen unter das geistig Freie und beider unter Gott uns hinauszuretten vermögen. ' Somit wäre schon nach dieser allgemeinen Betrachtung das menschliche Gewand und jeder Gewandstosf eine ernste Erinnerung an unfern Menschenberuf und eine ernste Mahnung: nicht durch ungezügelte leibliche Sinnlichkeit dieses Berufes und des durch ihn bedingten inner» und äußern Friedens verlustig zu gehen. Allein das menschliche Gewand dürfte durch die Geschichte der Verirrung, aus welcher es hervorgegangen, in einem noch viel nä- Heren und unmittelbareren Zusammenhänge zu dem Gedanken stehen, der uns durch Ziezith, dieses Gewandsymbol, in die Seele gerufen werden soll. Es war kein sogenanntes dem Menschen eingeborenes Vernunftgebot, es war ein positives, geoffenbartes Gebot Gottes: 'מצות ד, an welchem sich der erste Gehorsam des Menschen bewähren sollte. Und es war ein ״Speisegesetz", eines jener □רווקי, gegen welche, wie die Weisen lehren, יצר הרע ואומות העולם משיבי; עליהם, gegen welche die sinnliche Begierde und der gewöhnliche sogenannte Menschenverstand protestiren. Es war das Verbot vom עץ הרעת שב ורע von einem Baum zu genießen, an welchem es sich erproben sollte: was der Mensch, gut und bös zu nennen habe, was ihm der Maßstab zur Erkenntntß des Guten und Bösen sein solle. Der Baum schien so gut zum Essen, war eine solche Lust für die Augen, schien selbst dem praktischen Urtheil des Verstandes erstrebnngswürdig — טוב העץ למאכל ־ חאוה הוא לעיני□ ־ נחמד העץ להשכיל — Alles, der Geschmack, die Phantasie, der Verstand sprach für den Genuß — und Gott hatte ihn verboten?! Ein Blick auf das Thier zu seiner Seite zeigte dem Menschen, / wie alle andern lebendigen Wesen gar nicht zu zweifeln haben über! das, waS ihnen gut und böse fei. Gottergleich wandeln sie im Eden!

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.