Jeschurun
- Journal
- Jeschurun
- Volume
- 5 (1858-1859)
- Issue
- Heft 4 (Januar 1859)
- Article
- Grundlinien einer jüdischen Symbolik
- Date
- 1859-01-01
- Page
- 190 (sequence 10)
- Language
- German
- Belongs to
- article
- OCR quality
- 98% known words query
- IRI
…/2932754-2932863-2932868-2943113--04282-2943161- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
OCR text
Grundlinien einer jüdischen Symbolik. 190 sönlichkett in die Erscheinung tritt, und könnte somit, wenn Gott uns das Zeichen seines Gesetzes an unser Gewand zu knüpfen ge- : bietet, schon vom Standpunkt dieses sprachlichen Gebrauchs aus, da-! mit an uns die Anforderung ausgedrückt sein: uns in Gesetzlichkeit j zu kleiden, das Gesetz das Charakteristiken unserer Persönlichkeit und das Gepräge unserer Handlungen sein zu lassen. Allein auf diesem sprachlichen Gebiete ist doch Kleid und sich j bekleiden nur der Ausdruck für einen Charakter überhaupt, er mag j sittlich oder das Gegentheil sein. Hier aber sollen Gewand und Gejj Wandstoffe in Beziehung zum göttlichen Gesetze und zu der aus demij selben fließenden Sittlichkeit, und zwar in so prägnanter Weise stehen,! daß ihr bloßer Anblick ein beredter Fingerzeig auf Gottes Gebot j und unsere sittliche Heiligung sein soll. Giebt es eine so prägnante I Beziehung, so müssen wir sie in einem andern Gebiete suchen. j Sehen wir uns im Geschichtlichen um, forschen wir nach der! Geschichte des menschlichen Kleides, so führt sogleich der erste Schritt; zu einer Thatsache, bei der wir verweilen müssen. Das Kleid ver-! dankt dem Vergessen des göttlichen Gebotes seinen Ursprung und war der erste Schritt der Wiederkehr des Menschen zu seinem göttlichen Berufe. Als die verlockende Sinnlichkeit den ersten Steg über den Menscheu errungen, trat die Scham an den Menschen heran und lehrte ihn: Verhüllung des sinnlichen Leibes. Nur in Unterordnung unter die Energie des freien Göttlichen im Menschen ist auch das leiblich Sinnlichste rein und heilig, eben so reinen, heiligen», göttlichen Zwecken dienend wie das geistig Göttliche im Menschen. Zn solcher Unterordnung hat sich der Mensch seines sinnlichen Leibes nicht zu schämen. Er steht mit Geist und Leib tm Dienste Gottes und unverhüllt wandelte der Mensch im Eden, in welchem die äußere Natnr ihm harmonisch zulächelte, wie in seinem Innern harmonischer Frieden waltete. Wie aber die Sinnlichkeit, aus ihrer Unterordnung getreten, die Leiterin des Menschen geworden, warf die Scham die ״Schürze" um den thierisch sinnlichen Leib zur Erinnerung des Menschen an seine Menschenwürde und an seinen göttlichen Beruf, in welchem das thierisch Sinnliche, verhüllt, zurückzutreten habe und nur das göttlich Freie zur Aeußerung kommen׳ soll. Sv wie die Scham das Bewußtsein der eignen Unzulänglichkeit, das Gefühl ist,