Jeschurun
- Journal
- Jeschurun
- Volume
- 5 (1858-1859)
- Issue
- Heft 3 (Dezember 1858)
- Article
- Zur jüdischen Schulfrage
- Date
- 1858-12-01
- Page
- 135 (sequence 9)
- Language
- German
- Belongs to
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»Btt vr. M. Hirsch. 135 aus einer andern Erwägung selbst bet denjenigen Verhältnissen, die, wie das oben besprochene, von den Schülern sofort mit Leichtigkeit durchschaut und begriffen werden. Die hier in Betracht kommenden Kategorien stnd einerseits Anschauungen und Ideen, andererseits Verhältnisse und Begriffe. Abgesehen von dem für alle Vorstellungen nothwendig vorhergehenden Auffassen und Begreifen vermittelst des Verstandes, wird bet der Aneignung und geistigen Assimilirung der letzteren mehr Ver-- stand, der ersteren mehr die Phantasie thättg sein, bet jenen mehr Scharfsinn, bei diesen mehr sinnige Contemplation, kurz werden jene — um uns des gewöhnlichen Ausdruckes zu bedienen — mehr im Geiste, diese mehr im Herzen und Gemüthe wurzeln. Es liegt aber im Wesen des Zweckes, um dessen Willen*) wir auf ihre volle Berücksichtigung in der Schule dringen, daß mit einem einmaligen Begreifen, einer einmaligen Einsicht und einer einmaligen Erwärmung des Gemüthes die Hauptsache noch ungethan ist. Sie sollen vielmehr vollständig Eigenthum unserer Schüler werden, geistiges Fundament der Weiterentwickelung, wesentliches Moment des gesammten inneren Lebens. Vorstellungen und Ideen, Lehren und Wahrheiten, die im Geiste und Gemüthe des Menschen wahrhaft lebendig aufgehen sollen, erfordern aber ihre Zeit, bis sie keimen und Wurzel schlagen, und größere, bis sie fähig werden, sich zu Blüthen und Früchten zu entfalten. Je mehr die Vorstellung nicht bloö deutlich sondern auch lebendig, je mehr die Idee nicht blos erkannt sondern auch anerkannt, je mehr die Wahrheit nicht blos begriffen, sondern auch beherzigt werden soll, je wichtiger und je folgenreicher sie sind: eine desto tiefere und eine — im Schulleben — desto frühere Begründung im Geiste und im Herzen des Kindes erfordern sie, desto mehr wird es nothwendig, immer und immer wieder in geeigneten Zwischenräumen auf sie zurückzukommen. Zn geeigneten Zwischenräumen, nicht zu kurz und nicht zu lang. Von zwei Momenten ist die Stärke einer jeden Vorstellung abhängig: von der Häufigkeit ihrer Wiederholung und von dem *) S. Zur jüdischen Schulfragc, I., Novemberhcft de» vorigen Jahrgangs.