Jeschurun
- Journal
- Jeschurun
- Volume
- 5 (1858-1859)
- Issue
- Heft 3 (Dezember 1858)
- Article
- Zur jüdischen Schulfrage
- Date
- 1858-12-01
- Page
- 130 (sequence 4)
- Language
- German
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130 Zur jüdischen Schulsrage, IV, Der Schwerpunkt liegt offenbar in dem ersten Satze: Reform des Judenthums, ist diese Frage keine zu abstrakte, können wir mit unfern Schülern in der Weise auf sie eingehen, daß ihnen eine dcutliche Einsicht in das Verhältntß und eine genügende Aufklärung über dasselbe gewährt werde? Es handelt sich mithin zunächst um das Verständniß zweier Begriffe, Reform und Judenthum, und sodann um dasjenige ihrer wechselseitigen Beziehung. Nun hieße es in der That einer jüdischen Schule ein vollgültiges Armuthszeugniß ausstellen, wollte man in Zweifel ziehen, ob sich ein für unfern Zweck hinreichendes Verständniß hinsichtlich dessen, was ״Zudenthum" fei, erzielen lasse. — Also Reform! Aber, daß ״Reform" im Allgemeinen eine Verbesserung, die Vervollkommnung einer Sache sei, durch welche sie ihrer Bestimmung ensprechender werde; daß dieser Ausdruck eigentlich die Idee der Rück-Verbesserung enthalte, zurück nämlich entweder zu dem zu Grunde liegenden Ideale, oder zurück zu einem vorausgesetzten ursprüngltch vollkommenen oder doch vollkommneren, diesem Ideale sich nähernden Zustande, der inzwischen getrübt worden; daß also das zu verbessernde jedenfalls unvollkommen, der Verbessernde aber seinem Vorgänger entweder an Fähigkeit oder in Erkenntniß des Ideals überlegen sein müsse; daß also das bereits Vollkommene sich freilich Wohl verändern, d. h. unvollkommen machen, nicht aber reformiren lasse; daß also nicht jede Veränderung auch eine Reform; daß demgemäß je größer der Meister, desto schwerer eine Vervollkommnung, und je weiser der Verfasser, um so unmöglicher eine verbesserte Ausgabe seines Werkes, und nur in so fern noch möglich, als auch jenem noch Unvollkommenheiten anhaften; daß demgemäß bei Werken, deren Meister Gott ist, die Verbesserung sich als ziemlich schwierig erweisen dürfte und höchstens in einem ״schönen Himmelblauen Anstrich der Bäume" und den ״sauber geschnittenen Nägeln des Kanarienvogels der kleinen Auguste" sich bethätigen würde: wir wüßten tn der That nicht, warum das über das Begriffsvermögen von Schülern unserer oberen Klassen hinansliegen sollte. Das Capttel von der Interferenz des Lichtes, die סוגיא von החראח ספק, ja selbst die tiefsinnigen Regeln über den Theilungsartikel sind vielleicht nicht um Vieles leichter. Dies Verhältniß ließe sich in der That auch einem achtjährigen Kinde bis zur vollkommenen Deutlichkeit