Jeschurun
- Journal
- Jeschurun
- Volume
- 5 (1858-1859)
- Issue
- Heft 2 (November 1858)
- Article
- A. Haesters' Lehr und Lesebücher für israelitische Schulen [Rezension]
- Date
- 1858-11-01
- Page
- 83 (sequence 17)
- Language
- German
- Belongs to
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2. Da» Lehr- und Lesebuch. 83 gehungerte Hunde in den Straßen umher, wie Gassenbettler, die murren, wenn sie nicht satt werden. (Ps. 59. 15)." Der andere enthält die Moral der Fabel: ״Ameise und Grille" S. 53. Die Grille kommt im Winter zur Ameise und sagt: ״Gib mir zu essen!" ״Hast du denn nicht für den Winter gesammelt?" ״Ich hatte keine Zeit dazu." ״Keine Zeit? Was hast du denn gethan?" ״Gepfiffen", sagte die Grille; und die Ameise sprach darauf: ״Hast du im Sommer, als ich arbeitete, gepfiffen; so magst du im Winter tanzen. Wer nicht arbeitet, soll auch nicht essen." ■ - ״Verstanden, Lieber?" Nicht verstanden, Lieber! Und lieber um allen Verstand gekommen, als dafür Verständniß zu haben! Wer nichts arbeitet, hat nichts zu essen. Das ist schon traurige Strafe genug für den Faulen. Aber soll auch nicht essen? Nimmer! Nimmer so lange noch eine jüdische Seele athmet, die sich nicht zum Censor und Richter und Henker jedes Unglücklichen berufen fühlt, die gar nicht einen so hohen Werth auf den Bissen Brod legt, den sie mit dem Armen theilt, daß sie zuvor sein ganzes Curriculum vitae vordemoustrirt haben, und erst bewiesen haben will, wie viel oder wenig Schuld der Arme und Unglückliche an seinem gegenwärtigen Hunger trägt. Dem's genügt, daß ihn hungert, und daß Gott ihm die Mittel gegeben seinen Hunger zu stillen und zu ihm gesprochen: sei barmherzig wie ich barmherzig bin. Wahrlich, wie eine Ironie steht da in so einem Lehr- und Lesebuch für jüdische Schulen Nr. 14. Gottcs Fürsorge, die auch für das kleinste Würmletu sorgt und darauf diese Nr. 15 die Ameise und Grille, in welcher die besitz- und arbeitsstolze Ameise die leichtsinnige Grille im Winter zum Hungertod verdammt, und als ob das noch nicht genug ist, folgt Nr. 16 ״die zwei Schwestern", aus welcher die Kinder sich gar keine Moral, oder höchstens die abstrahiren können, daß es manchmal zu entschuldigen ist, wenn die reiche Hausbesitzerin ihrer, armen, nackten obdachlosen Schwester in Sturm und Wind den Eintritt — wie die bchauste der hauslosen, nackten Schnecke — versagt! Und nun gar jenen ersten Satz, in welchem Gassenbettler mit heulenden, ausgehungerten Hunden zusammcngestellt werden, und für diese Blasphemie noch ein frommes Bibelcitat aus den Psal-