Jeschurun
- Journal
- Jeschurun
- Volume
- 5 (1858-1859)
- Issue
- Heft 2 (November 1858)
- Article
- A. Haesters' Lehr und Lesebücher für israelitische Schulen [Rezension]
- Date
- 1858-11-01
- Page
- 82 (sequence 16)
- Language
- German
- Belongs to
- article
- OCR quality
- 95% known words query
- IRI
…/2932754-2932863-2932866-2942898--04113-2942954- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
OCR text
82 A. HaestnS' Lehr- und LesMchcr für israel. Schulen. Bearb. von E. Hecht. ganz anderer geworden. Es wäre da nicht der Vater in vorderer Linie als, das ״Oderhaupt des häuslichen Kreises oder der Familic" erschienen, für die er ״durch sein Geschäft oder seinen Beruf sorgt und Wohnung, Kleidung, Nahrung und Pflege schafft" dem die Mutter zur Sette steht, und ״kocht, wäscht, näht, strickt, spinnt und flickt", der auch ״mit den Hausgenossen beim Morgen- oder Abendsegcn etwas aus der Bibel liefet" und ״die Kinder in die Schule und in die Kirche schickt" — es wäre der Vater sonst als der gezeichnet worden, der mit Lehre und Beispiel den Kindern den Weg zu weisen habe in welchem sie ihm nach vor Gott und mit Gott in thatkräftiger, opferfreudiger Hingebung an die Erfüllung seines Gesetzes wandeln sollen, und dessen Geschäfts-und Existcnzstreben nur Werth hat, wenn es sich als Mittel diesem einzigen Haus- und Familten-Zwecke unterordnet — es wäre die Mutter als die treue Gehülfin des Vaters erschienen, die nicht nur kocht und wäscht u. s. w., sondern, die vor allem des Geistes der Gottesfurcht und der heiligen Sitte im häuslichen Kreise wartet und schon den Säugling an der Brust und das Kind auf ihrem Schooße für Gott pflegt und erzieht — es wäre dann auch die jüdische Milde, und jüdische Barmherzigkeit und jüdische Menschlichkeit nicht vergessen worden, die dem Armen einen Platz am Tische gönnt, dem Fremdling die Gastfreiheit übt und nicht der Worte des Weisen vergißt, der gesprochen: ״Laß die Armen deine Hausgenossen sein!" — Ueberhaupt verleugnet dieses Buch in schmerzlicher Weise den ganzen Sinn jüdischer Humanität. In dieser Nummer ״der Mensch und das Haus" weiß es wohl von den Pflichteu der ״Dienstboten oder des Gesindes" gegen die ״Herrschaft" zu sprechen, hat aber kein Wort für die Pflichten der Herrschaft gegen die ihr dienenden Mitbrüdcr und Schwestern, und vergißt der Herrschaft die Pflicht der gerechten, menschlich milden Behändlung ihrer ״Leute" aus Herz zu legen. Es hat aber zwei kurze Sätze, die wir um allen Preis der Welt nicht geschrieben habe» mochten, und die dem Gemüthc der Kinder, zumal bei einer Herrscheud werden wollenden Zeitanschauung, mehr Verderben bringen, und sie der jüdischen Menschlichkeit mehr entfremden, als durch alle Geschichten und Gebetverslein wieder gut gemacht werden kann. Der eine Satz heißt S. 23: ״Heulend laufen dort aus-