Jeschurun
- Journal
- Jeschurun
- Volume
- 5 (1858-1859)
- Issue
- Heft 2 (November 1858)
- Article
- A. Haesters' Lehr und Lesebücher für israelitische Schulen [Rezension]
- Date
- 1858-11-01
- Page
- 79 (sequence 13)
- Language
- German
- Belongs to
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?9 2. Das Lehr- und Lesebuch, Warum unter allen Morgen-, Tisch- und Abendgebeten, die S. 20 und 21 gegeben werden, für unsere wirklichen Gebete, die doch das Kind wirklich Morgens, vor und nach Tische, sowie beim Schlafengehen zu sprechen hat, kein Raum gewesen, begreifen wir um so weniger, da ja eben der Verfasser die Forderung der religiösen Weihe des gewöhnlichen Lebens mit als Ausgabe seines Buches gesetzt. In dem Gedicht ״die Sabbathfreude"sehen wir ungern in den Versen: Wann das Brod der Vater bricht Und zum Wein den Segen spricht, Fliehen Leid und Schmerz u. s. w. die Einführung des Sabbaths an den häuslichen Tisch in verkehrter Ordnung gezeichnet. Es geht ja Kidusch dem Birchath Hamozi voran. Das wirkliche jüdische Leben kommt in diesem Buche so wenig zur Anschauung, daß wir wenigstens da, wo es erscheint, historische Treue gewünscht. Abendgebet: Hilf uns fromm und folgsam sein, bis wir einst mit unfern Lieben In dem schönen Himmel drüben ewig werden selig sein! Dieses in ähnlichen Gedichtchen so häufige Htnüberführen aus der Erdennähe in die jenseitige Seligkeit ist so wenig jüdisch, daß wir diesem Gedanken ja so selten in unfern wirklichen Gebeten begegnen. Uns schon hinieden selig zu machen, das ist Ziel und Triumph des jüdischen Lebens. Eben so wenig möchten wir unfern Kindern so trübe Grabesgedanken zuführen, wie in dem Gedicht ״der Wanderer in der Sägemühle" S. 138 geschieht: Dort unten in der Mühle saß ich in süßer Ruh', und sah dem Rädersptele, und sah den Wassern zu. Sah zu der blanken Säge, es war mir wie ein Traum, die bahnte lange Wege in einen Tannenbaum. Die Tanne war wie lebend, in Trauermelodie, durch alle Fasern bebend, fang diese Worte sie: