Jeschurun
- Journal
- Jeschurun
- Volume
- 5 (1858-1859)
- Issue
- Heft 2 (November 1858)
- Article
- A. Haesters' Lehr und Lesebücher für israelitische Schulen [Rezension]
- Date
- 1858-11-01
- Page
- 78 (sequence 12)
- Language
- German
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73 A. HarstrrS' Lehrunb Lesebücher sür israel. Schulen. Bearb. von E. Hecht Gott vor Augen und im Herze», und hüte dich, daß du in keine Sünde willigest, noch>thust wider Gottes Gebot" (Tob. 4, 6). Uns f dünkt diese Weisheit wäre noch in den ächten jüdischen Büchern zu finden gewesen. ' Der Verfasser will auch ״jüdische Erzählungen" bctgefügt haben. Wir haben aber in dem ganzen Buche nicht eine einzige jüdtsche Erzählung gefunden. Man müßte denn S. 134, ״die Thräne" und S. 153, ״die drei Freunde" dafür gelten lassen. Beide sind Parabeln, und zwar unseres Wissens nur die letzte, als dem Midrasch entnommen, jüdischen Ursprungs. Wir sehen uns noch unter den ״Gebetliedcrn, Gedichten und Chorälen" um, über welche wir Einiges zu bemerken wünschen, das vielleicht für künftige ähnliche Sammlungen von einigem Nutzen sein konnte. Gleich daö erste Gebetlied S. v: Gott, deine Kinder treten mit Freuden zu dir hin; Sie stammeln und sie beten: du kennst der Worte Sinn. O du, der in den Hohen und in den Tiefen wohnt, Laß kindlich uns verstehen, was überschwenglich lohnt'. Gieb Kinderherz und Worte bei Kindesfrcudigkeit, Daß fich des Himmels Pforte uns offne jederzeit! Wir zweifeln ob die Kinder die von uns hervorgehobenen Worte kindlich verstehen. Wir gestehen, daß es uns selbst schwer wird Verstand darin zu finden. S. 20. Des Kindes Engel. ״Es geht durch alle Lande ein Engel still umher u. s. w. Wir glauben, daß es weder psychologisch gerechtfertigt ist noch dem jüdischen Sinn überhaupt entspricht, den Ktndern so viel von ihrem Umgang mit Engeln, und insbesondere hier, von einem Engel ins Herz zu fingen, der ihm immer nah sei, mit ihm fein und traulich spiele, ihm lernen und gehorchen helfe, sein Bettchen hüte und es mit einem stillen Kuß wecke. Der jüdische Sinn ist vor Allem verständig und klar. Ist feind jedem Schwärmergedanken und Gefühlsschwelgen. Nicht zum Umgang mit Engeln, zum Umgang mit Gott werden unsere Kinder erzogen, und daß verständige, praktische, Gott dienende Leben ist ihre Bahn.