Jeschurun
- Journal
- Jeschurun
- Volume
- 5 (1858-1859)
- Issue
- Heft 1 (Oktober 1858)
- Article
- Nach Jerusalem! [Rezension]
- Date
- 1858-10-01
- Page
- 35 (sequence 4)
- Language
- German
- Belongs to
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®מס Ludw. Auq. Frankl. 35 Kreise hatten mich ausgenommen und die eigenthümliche Melodie, mit der die Sehnsucht nach Jerusalem so wehmüthig meine Jugend umrauscht hatte, war fast verklungen. Ein günstiges Geschick brachte mich in Wien in vertrautester Beziehung mit dem mir unvergeßlichen Hammer-Purgstall. Er erschloß mir den Orient mit seinen brennenden Farben und Lichtern, indem er mir durch Wort und Schrift die engen: Kreise des Vaterlandes meiner Väter weiter zog und die Phantasie von einer kleinen Erde, der ganzen großen des Morgenlandes zuführte. Herder, Goethe, Rückert vollendeten, was Hammer-Purgstall mächtig in mir anregte." ״; ׳Das praktische Leben ergriff und brachte mich durch eine fett־־ sawe Fügung mit den politischen und socialen Einrichtungen meiner Glaubensgenossen in unmittelbaren amtlichen Verkehr. Die poetischeu Stimmen, die nach Jerusalem riesen, waren darüber völlig verklungen und noch andere mit ihnen. Und doch sollte dieser in meinen ganzen Lebeusgang greifende Umstand nur eine Vorberettung sein, um dereinst eine nationale Aufgabe zu losen." Wir sehen gleich aus diesem auf ״die Visitenkarte" als Empfehlung geschriebenen Zeilen, daß es nicht das volle, warme, aus innigem Nationalbewußtsein stammende, von nationalen Studien belebte Gefühl, nicht die alte, jüdische, innige Anhänglichkeit es ist, die den Verfasser beseelen. Hammer-Purgstall, Herder, Goethe und Rückert mußten die erloschene ״Sehnsucht nach Jerusalem" wieder erwecken und nicht Jerusalem, nicht Palästina wax es, nicht die Sehnsucht nach der Tempelstätte, nicht der Gedanke an die hohe, erhabene Aufgabe des Judenthums ergriff ihn, ״die engen Kreise des Vaterlandes der Väter" mußten weiter gezogen werden" 5 ״der Orient mit seinen brennenden Farben und Lichtern" erregte die Phantasie des Dichters und nur ״weil die Phantasie, welche die Lust des Gestaltens in sich spürt, nicht in's Allgemeine streben darf, sondern sich einem sicheren Punkte zuwenden muß, von dem aus sie wirken soll", suchte er ״die frühesten geistigen Jugendeindrücke zu verkörpern und schrieb Sagen aus dem Morgenlande, deren Gestalten aber? zumeist dem kleinen Lande der Urväter angehörtcn, während der ganze glanzvolle Orient ihr großartiger Hintergrund war." , Aber nicht die an ״Gestalten" Lust findende Phantasie, nicht g»