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Jeschurun · 1858-09-01 · Heft 12 (September 1858) · p. 635

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Jeschurun
Volume
4 (1857-1858)
Issue
Heft 12 (September 1858)
Article
Aus Norddeutschland
Date
1858-09-01
Page
635 (sequence 2)
Language
German
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Aus Norddeutschland. II,;635 die der Tteferblickende vor Jahrzehnten entsetzt ׳gefürchtet. Hier finden wir eine Familie, in deren Kreis der Sabbath gefeiert und geheiligt, der;Laden bleibt geschloffen, alle Geschäfte ruhen, wohlthuender Frieden liegt ausgebreitet — nur hinter Schloß und Niegel, verborgen vor den Augen der Welt, da wirkt und schafft emsig der Sohn des Hauses, ver für die Existenz zittert, wenn alle Hände am Sabbath unthätig liegen und die Maschine ganz stille steht. -Hier lüftet ein junger Anfänger, der in sechs Tagen nicht genug zu erhaschen weiß, auch am siebten das Dunkel seines Ladens. Es erregt den Unwillen seiner Umgebung^ man spottet, man schilt,;man bedauert seine Eltern, die so fromm und brav gelebt; aber noch mehr beneidet man ihn, man sieht bestürzt einen Kunden und einen;zweiten und einen dritten zu ihm/eilen, da erhebt sich Kletnmuth und spricht, wie zur Entschuldigung : Concurrenz vermag Vieles. — Hier wird die Wirthschaft koscher geführt, ganz nach den Vorschriften des Gesetzes, so sagt man — außer dem Hause verstummt die Stimme des Gesetzes, da tont das freie, ungebundene Leben. — I Hier legt ein Sohn ״einem alten Vater zu Liebe", täglich Tesillin,! wäscht sich, ehe er sich zu Tische setzt, betet, wenn er-gegessen; Alles aber nur aus Liebe zu seinem Vater, nicht, weil es ihm Bedürfntß, nicht, weil es ihm Gebot seines Gottes ist. Ich übergehe Verhältniffe, die unausgedeckt bleiben müssen. Thatsachen, wie die äugeführten, zeigen zur Genüge, wohin wir gekommen, und an der Hand : dieser Thatsachen lehrt unsere Erziehung laut genug, wohin wir - kommen werden, wenn nicht bald der Schleier fällt, der die Gefahr unseren/Augen verhüllt; wenn wir nicht bald;einsehen, dass der Schein, den die junge Welt der Städte um sich verbreitet, nur ein erlogener, trügerischer, unnachahmungswürdiger ist, wenn wir nicht bald zur einfachen jüdischen Erziehung zurückkehren. Und wie denken wir über Erziehung? ״Mein Sohn soll nicht in Unwissenheit hcranwachsen; meinen Sohn lasseich Alles lehren; mein Sohn soll seine Zeit.-nicht vergeuden mit Ehumesch und Raschi, Mischnajoth und Schülchan Aruch. Wozu nützt es ihm? Wird er es einst im Comptoir und im Laden, im Handel und Geschäfte anwenden? Wozu den;Vielbeschäftigten und Vielgcplagten noch mehr plagen und beschäftigen? --- Meine Tochter ist gebildet,׳ sie spricht französisch, lernt.englisch, tanzt,- spielt

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