Jeschurun
- Journal
- Jeschurun
- Volume
- 4 (1857-1858)
- Issue
- Heft 11 (August 1858)
- Article
- Federzeichnungen
- Date
- 1858-08-01
- Page
- 585 (sequence 2)
- Language
- German
- Belongs to
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t Federzeichnungen. ggg Sie sich Ihres jungen Freundes gar nicht; — habe ich mich denn in den sechs, Jahren gar so sehr verändert? Eines länger« Besinnens bedarf es, um mich in den Zügen ' des Herrn meinen jungen Freund erkennen zu lassen. Du bist es, rufe ich erstaunt; aber wie hast du dich verändert! — Er kann meinen forschenden Blick nicht ertragen und schlägt beschämt die Augen nieder. — Komm' setze dich zu mir, erzähle mir von deinem Leben in diesen sechs Jahren. Lange nachdem mein junger Freund schon fort war, saß ich noch auf derselben Bank und schaute die Allee hinauf, aus welcher er längst entschwunden. — Ich hatte ihn lieb gehabt, meinen jungen Freund, lieb wie meinen eigenen Sohn. Noch sehe ich sein feuriges Auge blitzen, seine frischen Wangen sich tiefer färben, seinen schlanken Wuchs sich länger dehnen, wenn wir zusammen in dem naheliegenden Wäldchen lustwandelten und er meinen Erzählungen lauschte von der einstigen Große und Blüthe unseres Volkes, von seinen Helden des Schwertes und des Geistes. Und jetzt in dem ersten Stadium des reiferen Alters, mit vierundzwanztg Jahren — den Schädel beraubt der wallenden Locken, die Augen erloschen, umgränzt von Falten, die Wange entfärbt und eingefallen, der stattliche Wuchs gebeugt — — Er hatte ״gelebt", ״seine Jugend genossen", wie man das so unschön wie falsch nennt; als ob Leben, Genießen nichts Anderes sei, als von Sinnenreiz überwältigt in ausgelassener Ungebundenheit den Kelch der Lust zur Neige leeren, als ob des Lebens höchste Freude die Lust, die größtmöglichste Befriedigung derselben Genießen heiße! In der ersten Zeit seines Aufenthaltes in der Fremde hatte er noch festgehalten an den Gewohnheiten, an der frommen Sitte des väterlichen Hauses; aber Beispiel, Verführung, das ihm so bittere Gefühl des Alletnstehens mit seinen Ansichten und Grundsätzen und endlich der Spott seiner Umgebung über diese Ansichten und Grundsätze hatten ihn dahin gerissen in den Strudel des Lebens. Mit dem Judenthume hatte er seine Menschenwürde— in den Kauf gegeben. Was tst's, das den erstorbenen Keim zu neuem Dasein bringt, das der dahtngewelkten Blume ihren Farbenschmuck wiederum verleiht, das dem Thiere seine Kraft bewahrt? Was es ist? Die Be-