Jeschurun
- Journal
- Jeschurun
- Volume
- 4 (1857-1858)
- Issue
- Heft 11 (August 1858)
- Article
- Einige Bemerkungen über Besitz und Besitzlosigkeit
- Date
- 1858-08-01
- Page
- 580 (sequence 2)
- Language
- German
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580 Einige Bemerkungen über Besitz und Besitzlosigkeit. sondern gibt jetzt dem Menschen, der zuerst die Macht des freien überlegten Willens an ihm ausgeübt hat, den ganzen Nutzen, den er gewährt; er wird Eigenthum. Die Anzahl und der Werth der Dinge, die der Mensch als sein Ergenthum bezeichnet, repräsentiren also die größere oder geringere Macht des Eigenthümers; der Besitz ist die Erweiterung seiner Persönlichkeit, je größer und werthvoller nämlich die Anzahl der Theile des großen Ganzen ist, an welchen der Mensch seine Gewalt bethätigt, um so ausgebreiteter und einstußreicher wird natürlich seine eigene Person. Es liegt aber in den menschlichen Neigungen, sich so viel Einfluß und Ansehen wie nur möglich zu verschaffen; das Bestreben nach Besitz ist von jeher mit der hervorragendste Zug in der Geschichte gewesen, der sich in allen Gestaltungen und Periode!: bemerkbar macht und der Besitz selbst nimmt eine so wichtige, bedeutende Stelle im Leben ein, daß es häufig scheint, als ob er allein die Handlungen der Menschen und die Verhältnisse der Gesellschaft regiere. Es ist daher sehr wohl erklärlich, daß derjenige, der in diesem Streben besonders glücklich ist, sich höher dünkt als der minder Glückliche, daß der Arme sich dem Reichen unterordnet. Diese Abhängigkeit der Armuth und dieser Einfluß des Reichen müßten naturgemäß im Lause der Zeit in ein solches Stadium treten, daß der Arme endlich gar keinen Einfluß, gar keine Macht des Willens besäße, daß er gänzlich zum Spielball der Willknhr des Reichen herabsänke, wenn nicht eben das allzugroße Maß der Armuth die Furcht der Reichen rege machen müßte, der Arme könnte in der Verzweifelnng des Elendes wähnen, seine Lage habe den höchsten Grad des Unglucks erreicht und er habe Nichts mehr zu riskiren, wenn er es versuche, die Macht des Reichthums zu brechen. In der Thal bemerken wir,, daß großen Umwälzungen in der menschlichen Gesellschüft immer Jahre des Hungers, des übergroßen Elends vorangegangen. Das eigene Interesse sollte also den Begüterten vor gar zu großem Mißbrauch seiner Gewalt zurückhalte!: und ihn lehren von seinem Ueberflusse dem Armen mitzntheilen, wenn nicht schon die Achtung des Menschen und das Gefühl des Mitleids für sein Geschlecht ihn dazu bestimmen^ könnte. Beide aber, weder die Furcht, noch die Regung des Herzens