Jeschurun
- Journal
- Jeschurun
- Volume
- 4 (1857-1858)
- Issue
- Heft 11 (August 1858)
- Article
- Ein Wort über jüdische Belletristik
- Date
- 1858-08-01
- Page
- 577 (sequence 4)
- Language
- German
- Belongs to
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Skn Wort über jüdische Belletristik. 577! einen Jeremias zu fassen erst einer Schilderung bedarf und nicht vielmehr aus dem Urquell sie in sich aufnimmt! der verlacht eine Novelle und ein Drama, in denen sie die ״Hauptrolle" spielen. Sollen diese Schriften uns erst zur heiligen Schrift führen? Nein, so weit ist es, dem Herrn sei Dank, noch nicht gekommen, vernachlässigt und zurückgesetzt ist zwar dss Studium der Bibel, zurückgedrängt vor so manchem Tand um Nichts, aber vergessen ist sie noch nicht; »och ist sie kein verschlossenes Buch, das Dramen und No- Vellen uns erschließen müssen; noch ist kein Prophet so unbekannt und verkannt, daß durch Dramen und Novellen für ihn unser Bewußtsein wieder wach zu rufen wäre! Will man die verflachten Ansichten des religiösen Lebens ' wieder heben, Sinn für Tugend und Sittlichkeit wieder mehr wecken — dann reiche man vor Allem der Jugend den reinen, ״״vermischten Trunk des heiligen Wortes,! er nur allein erquickt und stärkt. — i Wir kommen nach diesem leichthingeworfenen Gedanken zu dem Hauptgründe, der, ohne das Angeführte, unser Urtheil bestem- : mm und den Stab über diese Schriften brechen würde; das An-! führen der Worte der heiligen Schrift muß ein solches Werk als! ״unjüdisch" kennzeichnen. Legen wir den Uebersctzungcn auch keij neswegs die Bedeutung und Heiligkeit bei, die dem Urtexte gebührt,! und können wir auch keineswegs die Bestimmungen alle, die uns! für den Urtext vorgeschrieben, auf die Uebersetzungen ausdehnen:! so stehen letztere uns dennoch zu hoch, als daß wir nicht entrüstet! und empört werden sollten, wenn sie uns in Novellen und Dramen! vordeklamirt werden. Wir nehmen sie nicht in dem Sinne der i Schrift, wir denken uns den Propheten nicht in dem Zustande der Prophetie wenn wir ihn schildern, wird von mancher Seite! erwiedert. Ersteres ist unmöglich. Worte, die als Prophetie und I Ausfluß der Gottheit uns gegeben, könne:, in keinem andern Sinne; gedacht und in keiner andern Bedeutung aufgesaßt werden, wenn j sie nicht eine unjüdische sein soll; letzteres ist möglich, aber unausführbar. Dem, Niemand wird leugnen, daß die Propheten Wochen, Monate, ja vielleicht Jahre verlebt, ohne daß der göttliche; Geist auf ihnen geruht, in denen sie nur Menschen, die edelsten,! höchsten Menschen, aber keine Propheten Ware»; in denen ihr Thun! und Schaffe» menschlich, aber nicht prophetisch war. Wir können