Jeschurun
- Journal
- Jeschurun
- Volume
- 4 (1857-1858)
- Issue
- Heft 11 (August 1858)
- Article
- Ein Wort über jüdische Belletristik
- Date
- 1858-08-01
- Page
- 578 (sequence 5)
- Language
- German
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578 Gin Wort üLer jüdische Belletristik. vielleicht Dichtern zugestehen, sie in diesen Zeiten zu schildern; wo sind aber die genügenden Quellen? Die Bibel gibt ihnen uichj. j den schwächsten Halt für solch' eine Arbeit, sie leihet ihnen nicht - das winzigste Wörtchen, weil wir hier in allen ihren Erscheinun- ' gen sie einzig und allein als Propheten erblicken, weil wir hier jedes ihrer Worte als den Wiederhall der göttlichen Stimme vernehmen; sobald wir daher einen ihrer Aussprüche in die Reden unserer Drama's und Novellen verflechten, haben wir das Heilige geschändet und das Erhabene in den Staub gezogen. Wir müsseir uns jedes Beispiels enthalten, weil wir keine Kritik schreiben und keine Namen nennen wollen; wie weit diese Handlungsweise sich erstreckt, möge der freundliche Leser daraus entnehmen, daß dasjenige Buch der vier und zwanzig Bücher, das in seiner wörtlichen Allsfassung, die deni Judenthunl fremd ist, schon die begabtesten Geister angelockt, von dem ein Göthe sagt: ״mehrmals gedachten wir aus dieser lieblichen Verwirrung eiiliges herauszuheben, aneinander zu reihen; aber gerade das Näthselhaft- Unauflösbare gibt den wenigen Blättern Anmuth und Eigenlhümlichkeit!" daß dieses Buch in einem jüdischen Dichter einen Beark beiter gefunden. d Wir führen dieses nur an, weil es als Beweis, wie der ׳ n Dichter auch für das speciell Jüdische arbeite, bezeichnet ist. Der; l Ausspruch der Gemara (Sanhedrin lOl, i.) Wer einen Vers von Schir Haschirim im Liede singt re. bringt Unheil über die Welt, ist in der Freude über dieses Oratoriunl, das ein berühmter Meister componirt, übersehen. So sehr wir es daher zu würdigen wissen, wen» jüdische Kräfte sich der jüdischen Belletristik widmen, so laut es stets allerkannt werden niuß, wenn Dichter unsere an erhabenen ErscheintMgen reiche Geschichte im Liede verewigen, lind unserenl schwachen, wankenden Geschlechte jene felsenfesten Gestalten vorführen: so ernst und nachdrücklich müssen wir aber auch gegell jeden Versuch, biblische Stoffe künstlerisch zu bilden, protestiren und als eine Entweihung des Heiligsten mißbilligen.