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Jeschurun · 1858-08-01 · Heft 11 (August 1858) · p. 576

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Jeschurun
Volume
4 (1857-1858)
Issue
Heft 11 (August 1858)
Article
Ein Wort über jüdische Belletristik
Date
1858-08-01
Page
576 (sequence 3)
Language
German
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576 Mn W-rt über jüdisch« BrlletrW. Bibel, wie besonders die hehren Erscheinungen der Propheten den empfänglichen Sinn ergreifen und zur Produktion anregen; wie die Aussicht, den eigenen Dichtungen durch den biblischen Stoff eine gewisse Weihe zu leihen, einladend und verführerisch ist; aber der Dichter soll nie vergessen, daß es ein Heiligthum ist, in dem er weilt, datz es ein heiliges Feuer ist, das in den Worten flammt und glüht, daß es eine Entweihung und Entheiligung ist, wenn auch nur das Geringste aus dem Zusammenhang gerissen und hinausgetragen wird; daß ein jedes derartige Unternehmen nnzulänglich, nutzlos und nnjüdisch ist. Unzulänglich, weil wir die Thatsachen der Bibel nicht mit denen der Geschichte in eine Reihe stellen dürfen. Jene sind ans der unmittelbaren Lenkung des Herrn hervorgegangeu; zu ihnen darf und kann der poetische Erstndungsgeist nichts Hinzuthun, von ihnen darf und kann er nichts abnehmen; die Denkweise und Merkmale der Zeit zeichnen sich nur in dem engern und losern Hangen und Hoffen an Gott und an seine Lehre, nicht aber in den wechselnden Bestrebungen, in den mannigfachen Richtungen, wie dieses in der Entwickelungsgeschichte der Völker der Fall: dem historischen Drama und der historischen Novelle ist somit der Hintergrund genommen, auf dem die Bilder des Dichter uns vorgeführt werden. — Uuzulänglich, weil die Propheten zu hoch stehen, um den Maßstab unserer beschränkten Einsicht an sie zu legen. Nur das können wir malen und wiedergeben, was denkbar, was erreichbar; der höchste Flug unserer Phantasie vermag uns nicht zu jenen hohen Geistern zu tragen, die über die Sprossen der menschlichen Leiter gestiegen, die durch Seelenadel, reinen Wandel und Gottesfurcht einer nä- Hern Nähe des Herrn gewürdigt wurden; die auserkoren, die Perkündsr seines Wortes zu sein; vor denen der Schleier fiel, der uns das Einst verhüllt: wie wollen n׳ir daher Farben finden auch nur ein schwaches, annäherndes Bild von ihnen zu entwerfen? Und wozu soll dann dieses Gerede, sollen diese hochtönenden Phrasen, in die man verfallen muß, führen? Sollen wir aus diesen Schriften die heilige Schrift kennen und die Propheten hochachten und lieben lernen? Thörichtes Bemühen! Wer durch das einfach-erhabene, begeisterte und begeisternde Wort der heiligen Schrift nicht erglüht; wer um einen Jesaias,

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