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Jeschurun · 1858-08-01 · Heft 11 (August 1858) · p. 575

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Jeschurun
Volume
4 (1857-1858)
Issue
Heft 11 (August 1858)
Article
Ein Wort über jüdische Belletristik
Date
1858-08-01
Page
575 (sequence 2)
Language
German
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Ein Wort über jüdische BelletriM 375 werden, bedarf wohl nur der Erwähnung. Sollen wir zum Neberfluß »och auf die Schmähungen und Verkleinerungen der Juden und aller jüdischen Bestrebungen, die trotz aller Aufklärung, trotz aller Gesittung, trotz unseres viel und oft gepriesenen neunzehnten Jahrhunderts nicht selten in den Werken der hervorragendsten Belletristeu sich vorfinden, und auf die Wirkungen, die sie auf unsere Jünglinge und Jungfrauen Hervorrufen müssen, Hinweisen? Kann zwar diesen schädlichen Einflüssen nur durch eine tief wurzelnde Liebe, durch ein klares Erkennen, durch ein inniges Durchdrungensein von unsrer heilige!! Lehre und ihrer Aufgabe kräftig und nachhaltig entgegengewirkt werden, so mutz dennoch eine jüdische Belletristik, mag sie uns auch noch so wenig Erfolg versprechen, freudig begrüßt werden. Daß Jude!:, die mit Schöpfergeist und Phantasie und Rednermund begabt, durch ihre Geistesstrahlen auch einmal unsere Kreise erhelle», nachdem so Viele sich von uns abgewandt, um in fremden Cirkeln Anerkennung und Lob zu suchen, das allein ist schon eine erfreuliche, nicht zu übersehende Thatsache. Wären aber nur alle jene Männer auch wahrhaft Juden, flössen nur alle jene Worte aus einem von Liebe für's Judenthum überströmenden Herzen! Leider bestätigt es die Erfahrung, daß nicht jedes Buch, das einen jüdischen Namen an der Stirn trägt, ein jüdisches ist; Mißgriffe und Uebergriffe, falsche Ideen und unjüdische Anschauungen, von denen die Blätter gefüllt find, strafen gar oft den Titel Lügen; und häufig ist am Buche nichts jüdisch, als eben der Titel und der Name des Verfassers. Ans eine kleine Schau einzugehen, würde mich zu weit führen, so interessant und lehrreich sie auch wäre; es sei mir heute nur gestattet, in kurzen Zügen auf eilten Uebergriff hinzuweisen, der uns in unserer armen, jüdischen Belletristik nicht mehr vereinzelt entgegen tritt. — Für einen Uebergriff müssen wir es, vom jüdischen Stand- Punkt, halten, wenn der Dichter biblische Stoffe zur Grundlage wählt, auf der'dann willkührlich ein Phantasiegebäude aufgerichtet wird, wenn gottbegeisterte Männer zu Trägern von Novellen und Dramen auserseheu werde» — eine Erläuterung, eine ausführliche Darlegung der heiligen Schrift ist selbstverständlich hierdurch nicht ausgeschlossen. Es ist leicht erklärlich, lvie der unerschöpfliche Reichthum der

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